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23.06.2017

Antisemitismus lebt. Wachsam bleiben!

Die ganz primitive Form des Judenhasses ist seltener geworden. Es kommen aber neue Ausformungen dazu.

Am rechten und am linken politischen Rand blüht der Antisemitismus.

Dr. Helmut Brandstätter | über eine besorgniserregende Entwicklung

Das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen hat sich in den letzten Tagen blamiert. Eine nicht sehr gut gestaltete Dokumentation über verschiedene Formen von Antisemitismus wurde zunächst angekündigt, dann abgesetzt und schließlich mit sonderbaren Änderungen ausgestrahlt. Gut so. Das Ergebnis ist bedrückend, aber umso wichtiger für die öffentliche Diskussion auch bei uns: Am rechten und am linken politischen Rand blüht der Antisemitismus. Mit den alten Vorurteilen von den reichen "Ostküsten"-Bankern, die die Welt regieren und der Opferrolle der Palästinenser. Am Terror und der Korruption der Hamas seien letztlich die Israelis schuld, weil sie sich nicht vertreiben lassen, so war es auch von christlichen Aktivisten zu hören.

Wie sieht es in Österreich aus? Von einigen ÖVP-nahen Studenten wurde kürzlich bekannt, dass sie über Facebook Juden-"Witze" austauschten. Dass das in bürgerlichen Kreisen möglich ist, schien undenkbar. Dazu kommen Zuwanderer aus dem arabischen Raum, die in der Schule nie etwas vom Holocaust gehört haben, für die Juden einfach nur Feinde und "Besatzer" sind.

Das zeigt die Bedeutung von Berichten und Interviews, wie der KURIER sie erst kürzlich mit dem Überlebenden des KZ Theresienstadt, Rudolf Gelbard, brachte. Die heutige Generation hat natürlich keine Schuld an der industriellen Vernichtung der Juden im 2. Weltkrieg. Aber sehr wohl eine Verantwortung dafür, dass die Erinnerung nicht verloren geht. Das gehört zur Schulbildung ebenso wie zum Wertekatalog für Zuwanderer. Auch konfessionelle Schulen und Kindergärten müssen unsere Geschichte kennen und richtig vermitteln. Und sie müssen dabei im Zweifel kontrolliert werden.