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10.01.2013

Venezuela braucht den Neubeginn

Das Herumeiern um den todkranken Hugo Chavez muss ein Ende haben – und das Land endlich eine Perspektive.

Das Land braucht den Neubeginn.

Mag. Walter Friedl | über Venezuela

Mit „Uh, ah Chavez no se va“ (Hugo Chavez wird nicht gehen) werden die Anhänger des venezolanischen Machthabers bei der heutigen Demo noch einmal den alten Schlachtruf skandieren. Doch sie irren: Der Caudillo ist offenbar im Endstadium seiner Krebserkrankung. Wenn er nicht einmal zu seiner Vereidigung als Staatspräsident erscheinen kann, spricht das Bände. Chavez wird gehen – für immer.

Dass sich die Akteure seiner „bolivarischen Revolution“ mit Verfassungstricks das Erbe sichern wollen, ist ebenso verständlich wie schändlich. Seit der jetzt 58-Jährige 1999 begonnen hat, Venezuela umzukrempeln, hat der Zirkel um ihn profitiert – und viel zu verlieren. Für die breite Masse hat sich außer im Bildungs- und Gesundheitswesen aber wenig verändert. Sie leidet unter der hohen Inflation (23–26 Prozent) und der Kriminalität (mehr als 21.000 Morde 2012).

Das Land braucht den Neubeginn. Chavez ist schon länger nicht mehr in der Lage, die Staatsgeschäfte zu führen, also müssen Neuwahlen stattfinden. Egal, wer dabei gewinnt, die Aufgaben sind klar: Venezuelas potenziell starke (Öl-)Wirtschaft auf gesunde Beine zu stellen, das Land wieder als berechenbaren Partner auf der Weltbühne zu etablieren und die gespaltene Bevölkerung zu einen.