über Integrations-Maßnahmen
02/04/2015

Tiefer bohren und nicht nur die Symptome behandeln

Sicherheitspakete sind gut und schön, reichen aber nicht, um Integration attraktiv zu machen.

Tiefer bohren und nicht nur die Symptome behandeln.

Katharina Wendl | über Integrations-Maßnahmen

Vor den Kopf gestoßen. So fühlte ich mich, als ich zum ersten Mal von französischen Jugendlichen hörte, die während der Schweigeminute in Gedenken an die Opfer der Terroranschläge auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ und den koscheren Supermarkt in Paris miteinander geredet und die anderen gestört hatten.

Sie meinten, die öffentlichen Medien würden einseitig berichten, gar lügen. Viele von ihnen stammen aus den Vororten von Paris, den Banlieues. Dort herrscht hohe Arbeitslosigkeit, das Bildungsniveau ist niedrig. Marginalisiert, an den Rand der Gesellschaft gedrängt und perspektivlos suchen sie nach dem großen Abenteuer, nach Anerkennung, dem Sinn des Lebens. Und sie werden fündig. Die Banlieues sind optimale Nährböden für extremistisches und islamistisches Gedankengut.

Wir kennen die Folgen dieser Aufhetzung. Nun haben Gesellschaft und Politik schmerzlich verstehen müssen, dass religiöser Fanatismus, der nichts mit der eigentlichen Religion, egal welcher, zu tun hat, nicht nur ein Problem anderer Staaten ist, sondern jeden Staat auf irgendeine Weise betrifft. Auch den eigenen. Auch Österreich.

Was nun folgt, sind Konferenzen, Kundgebungen, Besprechungen hochrangiger Politiker aus allen Ecken der Welt. Ein Sicherheitspaket soll nun Abhilfe schaffen. Die Polizei soll gestärkt werden und mehr Durchgriffsrechte erhalten. Renitente Schülerinnen und Schüler, die sich als „integrationsunwillig“ erweisen, sollen bestraft werden, in welcher Form auch immer. Soll, soll, soll.

Was getan wird, ist, die Symptome, die Folgen von Radikalisierung zu behandeln. Das ist einfacher als unter die Oberfläche zu blicken. Die Maßnahmen haben konkrete Folgen. Es gibt ein klares Ziel. Etwas tiefer zu bohren, ist schwierig, und das nicht, weil es zu wenige Vorschläge oder Ideen gäbe, sondern weil die Resultate nicht klar definiert sein können. Bei Themen wie Bildung, Arbeitslosigkeit, Sprachförderung muss angesetzt werden. Die Einführung der Schulfächer Politische Bildung und Ethik, ein zweites verpflichtendes Kindergarten-Jahr, Maßnahmen gegen (Jugend-)Arbeitslosigkeit wären erste Schritte, die dringend gesetzt werden müssen.

Alle Texte der Aktion "Teenager machen Zeitung" lesen Sie hier.

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