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17.01.2018

Berlin ist für Kurz längst ein Heimspiel

Mitten im GroKo-Gewürge ist dem "Ösi"-Kanzler Applaus garantiert.

Kurz ist auch in Deutschland Symbolfigur für überfälligen Generationswechsel.

Josef Votzi | über Kurz erste Berlin-Visite als Kanzler

Umsteigen in aller Herrgottsfrüh am Frankfurter Flughafen. "Herr Kurz, Danke! Machen Sie bitte weiter so." Wer je mit Kurz auf Reisen war, weiß: Der "Ösi"-Politiker hat auch im deutschen Publikum sehr viele Fans. Die zahlreichen Auftritte in deutschen TV-Talkshows zeigen Wirkung. Bei seiner ersten Berlin-Visite als Kanzler hat Kurz mit Merkel, Schäuble & Steinmeier nicht nur die Staatsspitze binnen 24 Stunden am Kalender. Parade-Talkerin Sandra Maischberger bittet zum raren Einzel-Interview. Die Spitzen des Springer-Verlags laden zu einem hochkarätig besetzten Dinner.

Warum erregt ein Politiker, der in Berlin streng genommen politisch nichts zu sagen hat, auch hier so viel Aufsehen? Kurz ist bei unseren Nachbarn längst zur Symbolfigur für den in Berlin überfälligen Generationswechsel geworden. Paris hat mit Emmanuel Macron einen neuen selbstbewussten Player auch in Brüssel. Berlin quält sich gerade in die nächste ungeliebte GroKo. Kurz punktet zudem einmal mehr mit seinem außergewöhnlichen Kommunikationstalent. Und last but not least: Der Österreicher hat in der Flüchtlingskrise ausgesprochen, was sich viele Deutsche dachten, aber nur wenige zu sagen wagten. Das spielt 2018 im kollektiven Unterbewusstsein nach wie vor eine gewichtige Rolle. Auf der offiziellen Agenda steht primär, wie sich Österreich bei Macrons ambitioniertem Projekt aufstellt, der EU neues Leben einzuhauchen. Hier wird auch Kurz bald Flagge zeigen müssen – spätestens im zweiten Halbjahr, wenn Österreich die EU-Präsidentschaft übernimmt.