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04.04.2012

Zündstoff: Zwischen Schlapfendorf und Blunzing

Gut, dass Lionel Messi kein Wiener ist, sonst wäre er in einer Wurschtl-Truppe versandelt.

Gott ist aus dem Himmel herabgestiegen" – "Er ist Messi-As, Heiland, nein, er ist alle Götter, an die die Menschheit glaubt, in einer Person" – "Unsterblich" – "Er betreibt einen Sport, den nur er beherrscht" – "In seiner Gegenwart werden Teufel zu Engelchen" – "Stratosphärisch" – "Außerirdisch" – "Irgendwann in ferner Zukunft wird man dieses Jahrtausend als das Jahrtausend Lionel Messis bezeichnen" – " Messi beschert uns ein Goldenes Zeitalter" – "Messi ist eine Bestie, die alles zermalmt." – "Messi ist erst 24, und schon müssen alle Geschichtsbücher neu geschrieben werden" – "Alles, was Messi berührt, verwandelt sich in Gold" – "In Messis Gegenwart werden Superstars zu unbeweglichen Holzklötzen" – "Er ist ein Geschenk Gottes" – "Er ist das achte Weltwunder" – "Messi nagelt einen Superstar nach dem anderen ans Kreuz" – "Oh, du wunderbarer Zauberer!" – "Imperium Barça! Imperator Leo I." Dabei braucht Messi nicht einmal einen Lorbeerkranz-Träger, der ihm ständig "hominem te esse memento" ("Bedenke, dass du ein Mensch bist") ins Ohr flüstert. So einen Sklaven brauchen eher seine Bewunderer. Messi selbst ist bescheiden. Alles, was man über ihn schreiben kann, wurde bereits geschrieben. Auch vieles, was man besser nicht schreiben sollte.Gegen AC Milan spielte Messi sehr irdisch, weltlich, fast bodenständig: Drei Mal foulte er einen Gegenspieler, nur zwei Mal traf er ins Tor. Jeweils aus Elfern.Käme jetzt der wienerische Traditionspessimismus ins Spiel, so wäre seit dem 0:0 im Hinspiel gegen Milan von einer Formkrise die Rede. Barça ist ja auch nur Zweiter. Die angeblich leiwandste Mannschaft der Welt wird womöglich nicht einmal spanischer Meister? Is ja a bissl fast peinlich.Nein, wäre Messi ein Wiener, würde er längst irgendwo zwischen Schlapfendorf und Blunzing in einer Wurschtl-Truppe versandeln und von einem größenwahnsinnigen Erdäpfelbauern sein Geld (nicht) bekommen. Gut also, dass Messi kein Wiener ist und daher alles überstrahlt. So wird nicht zu viel Wind gemacht um den jungen Wiener David Alaba, der im Parallelspiel in einem absolut perfekten Konter das 2:0 für den FC Bayern aufgelegt hat. Der ist nämlich noch nicht ganz zwanzig und viel, viel zu schade dafür, dass ihm einer ins Ohr flüstert: "Bedenke, dass du ein Wiener bist!"

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