Zündstoff: Wo die Mittel den Zweck heiligen

Jürgen Preusser
Foto: Franz Gruber

Sich auf die völkerverbindende Bedeutung des Sports zu berufen, ist angesichts der Lage in Bahrain ein Hohn.

Es geht gar nicht so sehr um die Sicherheit irgendwelcher Formel-1-Millionäre und deren Gefolgschaft. Wenn in einem Land – aus welchen Gründen auch immer – Unruhen ausbrechen, sind sowieso Menschen in Lebensgefahr. Egal, ob sie nun prominente Namen tragen, oder Ahmed Irgendwie heißen. Es geht viel eher um die Abgehobenheit und Arroganz von geschlossenen Zirkeln, die sich nicht an gutem Geschmack, an Moral oder Anständigkeit orientieren.

Erfolgreiche Sport-Branchen streben ausschließlich nach finanziellem Erfolg. Dadurch entsteht eine Mischung aus Sekte und frühkapitalistischem Unternehmen, die sich über Gesetze und gesellschaftliche Regeln hinwegsetzt. Das betrifft den Formel-1-Zirkus genauso wie die FIFA. Aber auch das Volvo Ocean Race der Segler, bei dem Hightech-Yachten auf Frachtschiffe verladen wurden, um heil durch das Piratengebiet am Horn von Afrika zum finanzkräftigen Etappenziel in Abu Dhabi zu gelangen.

In Bahrain protestiert das Volk gegen die Staatsführung, die sich unter anderem den Luxus eines eigenen Formel-1-Rennens leistet. Der Horizont von Sportfunktionären reicht nicht aus, um zu erkennen, dass dies auch ein politisches Statement darstellt. Das gilt natürlich auch für Business-Leute, die mit umstrittenen Regimen Geschäfte machen, auch wenn es dabei nicht um Waffenhandel geht.

Sich dann aber auch noch auf die völkerverbindende Bedeutung des Sports zu berufen, ist ein Hohn. Bernie Ecclestone, der überall hofierte Zwergenkönig der Formel 1, hat dafür gesorgt, dass China, Malaysia, Bahrain und Indien Rennen veranstalten dürfen, die eine Traumwelt vermitteln, aber nicht ins soziale Gefüge des Landes passen.

Wenn dann – wie beim indischen Grand Prix – der Rennsportdirektor von Red Bull (Helmut Marko) sinngemäß die Meinung vertritt, dass sich der gemeine Inder an den fleißigen Formel-1-Leuten ein Beispiel nehmen soll, um es so selbst einmal zu einem Moped zu bringen, wird’s obszön. Dieser ungewollte Zynismus erklärt, warum die Formel 1 vor Krisengebieten niemals bremsen wird.

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(kurier) Erstellt am
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