Zündstoff: Überlebenskampf der Gschaftlhuber

Jürgen Preusser
Foto: Franz Gruber

Die Anti-Doping-Lobby befindet sich auf einem endlosen Selbsterhaltungstrip.

Dies hier hätte ein offener Brief an den Sportminister werden sollen. Der war sogar schon geschrieben. Die zentrale Frage lautete:
Wann gedenken Sie, die völlig überforderte Führung der NADA mit Andreas Schwab und Gernot Schaar auszutauschen?

Minister Darabos kam dem zuvor, indem er die Spitze der Anti-Doping-Agentur feuerte. Ein überraschend schneller Schritt.

Trotzdem sollten noch andere Sportler befragt werden, ob sie in ihren jeweiligen Verfahren nicht ähnliche Absprachen und vorgefasste Urteile erlebt haben. Dabei sollte es keine Rolle spielen, ob diese Sportler zu Recht oder zu Unrecht gesperrt oder freigesprochen wurden. Ein Spitzensportler berichtet jedenfalls von vier Kollegen, die zwar alle keine Tonbandaufzeichnungen, aber Notizen besitzen.

Es wird nicht reichen, jene Personen auszumustern, die sich im Verfahren des Langläufers Christian Hoffmann so daneben benommen haben. Es ist bezeichnend, dass die ganze Funktionärsriege zuerst einmal aufbrüllt, weil so ein Tonband womöglich illegal sein könnte. Dieser Schutz-Reflex hat System. Die Anti-Doping-Lobby befindet sich auf einem endlosen Selbsterhaltungstrip: Abgehalfterte Politfunktionäre, die durch Gschaftlhuberei versuchen, ihre Existenz zu rechtfertigen, jedoch keine Ahnung haben, nichts weiterbringen und viel Geld kosten.

Angenommen, das neue Sport-Förderungsgesetz wird tatsächlich irgendwann beschlossen, was auf Grund des prinzipiellen Widerstandes der Dachverbände sehr unwahrscheinlich ist: Wird auch dann noch Geld vorhanden sein für 33-stündige Doping-Anhörungen wie im Fall Dinko Jukic? Vorsichtig geschätzt, wurden damals für die stümperhaften Fehler eines Kontrolleurs und seines Vorgesetzten 25.000 Euro verheizt.

Is Austria too small for good anti doping?

Es muss möglich sein, eine Anti-Doping-Agentur aufzustellen, die nicht von Partei- und Verbandsinteressen beeinflusst, sondern von unabhängigen Experten gesteuert wird.

Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass Jürgen Melzer Olympiasieger wird. Nein, nicht im Tennis. Im Synchronschwimmen.

Mehr zum Thema

(kurier / Jürgen Preusser) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?