Zündstoff: Respekt ist Trumpf

Jürgen Preusser
Foto: Franz Gruber

Seine Kritiker unterstellten ihm eine gewisse Aufschlagschwäche. Und was tat Federer? Er arbeitete daran.

Dubai, Rotterdam, Indian Wells – jetzt vielleicht Miami. Und was folgt dann? Vielleicht der 17. Sieg in einem Grand-Slam-Turnier?

Wimbledon, 2003. Noch ist Federer einer von vielen. In Runde 2 hat er seinen Freund und Trainingspartner Stefan Koubek besiegt. Die Experten ahnen zwar, dass der Schweizer diesmal sein erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen könnte, doch noch halten viele "Roschee" statt "Rotscha" für seinen Vornamen.

Die erste Frage im großen Pressesaal betrifft nicht Roger selbst, sondern Marc-Vivien Foé, einen Fußballer aus Kamerun, der am selben Tag beim Konföderations-Cup-Spiel gegen Kolumbien gestorben war. Plötzlicher Herztod. "Wie kann das einem Spitzensportler passieren?"

Federer zögert und gibt dann die richtige Antwort: "Ich bin kein Arzt, ich spiele Tennis." Seine einfache Philosophie verpackt er in einen Nebensatz: "So eine Tragödie lehrt uns Demut. Egal, wie viel wir irgendwann auch erreichen: Es gibt Wichtigeres," sagt er in drei Sprachen.

Demut, Bescheidenheit, Respekt. Dies sind seine wahren Vorzüge weit vor jeder Return-, Service-Winner- und Punkte-am-Netz-Statistik.

Niemals hat er einen seiner Gegner gering geschätzt. Und er lebt diesen tiefen Respekt: Nicht nur, weil er einen erheblichen Teil seiner Einkünfte karitativen Organisationen zukommen lässt, sondern auch, weil er sich ständig weiterentwickelt.

Die Wachablöse war eigentlich längst vollzogen: Nadal hatte ihm zugesetzt, Djokovic überflügelte ihn schließlich. Eigentlich kein Problem für den 30-jährigen Schweizer, denn er war zu diesem Zeitpunkt längst der erfolgreichste Spieler der Tennis-Geschichte.

Seine Kritiker unterstellten ihm eine gewisse Aufschlagschwäche. Und was tat Federer? Er arbeitete daran. Jetzt schlägt er mehr Asse denn je und sticht seine Konkurrenten genau in jenen Teilbereichen aus, die dazu geführt hatten, dass er vorzeitig abgeschrieben wurde.
Egal, ob er noch einmal ganz an die Spitze kommt: Federer ist ohne Zweifel die größte Sport-Persönlichkeit der Gegenwart.

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(kurier) Erstellt am
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