Zündstoff: Falsches Täter-Profil

© Franz Gruber

Meinung Kolumnen Zuendstoff
08/02/2012

Zündstoff: Gegen den Strom

Markus Rogan - der erfolgreichste Schwimmer, den das Land je hatte, hat sich selbst viel kaputt gemacht.

von Jürgen Preusser

Österreich produziert sich bei den Sommerspielen als Winter- Wunderland: Leonhard Stock und Stephan Eberharter waren schon da, Lindsey Vonn soll das Österreich-Haus besuchen, und sogar Hermann Maier wird erwartet. Dazu Sessellift-Romantik und Skihütten-Zauber.Die letzten Goldmedaillen im Sommer sind Schnee von gestern (Hagara/Steinacher und Kate Allen in Athen 2004). Und die Medaillen-Lawinengefahr liegt derzeit bei Stufe null.Bezeichnend ist auch, dass die Karriere eines ganz Großen des österreichischen Sports mit Misstönen aller Art ausklingt.Doch im krassen Widerspruch zu den unzähligen oberg’scheiten, feindseligen und selten witzigen Postings auf allen möglichen Webseiten ist Markus Rogan wirklich ein ganz Großer: Er ist der erfolgreichste Schwimmer, den das Land je hatte – vielleicht abgesehen von Otto Scheff, der 1906 bei hohem Wellengang im Hafen von Piräus zu Gold bei den Zwischenspielen von Athen geschwommen ist.Bei den Spielen von Athen 2004 holte Rogan zwei Silbermedaillen – die zweite davon war die 100. Medaille für Österreich bei Sommerspielen. 2008 besiegte er Ryan Lochte im WM-Finale über 200 Meter Rücken mit Weltrekord. Er war außerdem acht Mal Europameister. Selbst bei einer seiner größten Enttäuschungen, als er in Peking Bronze um 15 Hundertstel verpasste, schwamm er österreichischen Rekord. Insgesamt eroberte er 34 Medaillen.

Fettnäpfchen

Es steht außer Zweifel, dass sich Rogan selbst viel kaputt gemacht hat. Immer wieder zog er schräge Vergleiche mit anderen Sportlern und sonstigen Persönlichkeiten, bewertete deren Intelligenz, musste sogar öffentlich eingestehen, ein Klugscheißer zu sein.Der volksnahe Sportliebling vom Kaliber eines Franz Klammer wurde er nie. Eine Disco-Schlägerei, die man bodenständigen Sporthelden augenzwinkernd als Lausbubenstreich hätte durchgehen lassen, kostete ihn den Sponsor und weitere Sympathien.Neulich köpfelte er nach Missachtung der Warnungen seines Managers Ronnie Leitgeb in die Fettnapf-Falle einer raffinierten Radio-Talkmasterin, die Rogan – im Gegensatz zur österreichschen Sportszene – nicht braucht: Seine indirekten Zweifel an der Intelligenz des Nationalheiligtums Hermann Maier – schlimmer geht’s nicht.Dann wird er auch noch wegen einer Bewegung, die eine Hundertstelsekunde dauert, disqualifiziert – von einem Kampfrichter, mit dem er genau diese Wende hundertfach trainiert hat.Das ist Hundefutter für all jene, die Rogan, Jukic und anderen erfolgreichen Menschen so leidenschaftlich gern ins Wad’l beißen.Schwacher Trost: Rogan wird sogar den Dackeln unter den Bloggern fehlen.

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