Meinung | Kolumnen | Zuendstoff
20.04.2012

Zündstoff: Erfreulicher Regelverstoß

Die Lehre aus der B-WM: Noch intensiver auf junge Spieler setzen, ihnen Verantwortung übertragen, sogar eine Blamage riskieren.

Unter Druck zu gewinnen – das ist nicht die große Stärke österreichischer Mannschaftssportler. Und von den Fußballern weiß man, dass einer Blamage oft nicht die Rehabilitierung, sondern die nächste Blamage folgt.Das Eishockey-Team hat gegen diese beiden Regeln verstoßen, Ungarn 7:2 besiegt und den Wiederaufstieg in die höchste WM-Division geschafft. Das ist stark, allerdings nichts Neues, weil der Auf- und Abstiegs-Paternoster seit Jahren unermüdlich fährt.Was diesmal anders ist? Eishockey-Präsident Dieter Kalt hatte dem Team den Druck genommen: "Der Aufstieg ist nicht unser Ziel," hatte er gemeint. Es sei viel wichtiger, ein junges, zukunftsorientiertes Team aufzustellen. Prompt folgte die Kritik, wonach die angekündigte junge Welle nicht konsequent genug ins Rollen gebracht worden sei. Jetzt kommt die dritte eiserne Regel in Spiel: Österreichische Teams ruhen sich viel zu oft auf den seltenen Teilerfolgen aus. Im Eishockey führt das prinzipiell zum Wiederabstieg und zu verpassten Olympia-Qualifikationen.Die Lehre aus der B-WM in Slowenien: Noch intensiver auf junge Spieler setzen, ihnen Verantwortung übertragen, vielleicht sogar eine Blamage riskieren. Es ist Unsinn, dass junge Spieler in der modernen Welt des Profi-Sports noch verheizt werden können. Und bevor sich ein zusammengeschustertes Team aus Altstars und NHL-Cracks, die dann doch keine Freigabe bekommen, von einer knappen Niederlage in die nächste schlittert, sollen sich lieber die Hoffnungen der Zukunft die Hörndeln abstoßen und mit fliegenden Fahnen untergehen. Oder eben eine Sensation schaffen, von der das österreichische Eishockey ein gutes Jahrzehnt lang leben kann.Mit dem positiven Nebeneffekt, dass der eine oder andere Spieler durch seinen Auftritt im internationalen Schaufenster vielleicht selbst den Sprung in die NHL schafft. Der Aufstieg 2012 ist zwar ein erreichtes Ziel, aber dieses Ziel ist erst der Anfang vom Weg.

 

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Bilder

  • Kommentar

  • Analyse