Meinung Kolumnen Zuendstoff
12/05/2011

Zündstoff: Die Unschlagbaren

Prinzipiell ist der Satz "Ein Unentschieden ist ein Sieg für Österreich" von Gerhard Bronners noch aktuell.

Zwischen März und Oktober trudelt das sportpatriotische Selbstwertgefühl Jahr für Jahr dem Meeresspiegel entgegen. Dann beginnt die Ski-Saison und es segelt auf Adlers Schwingen zurück in alpine Regionen. Im Fußball werden Unentschieden wie jene vom Donnerstag oft als Siege gefeiert: Zwei Mal 2:0 geführt, zwei Mal 2:2 - da überwiegt die Enttäuschung. Aber prinzipiell ist der Satz "Ein Unentschieden ist ein Sieg für Österreich" aus Gerhard Bronners Werk "Der Opitz und der Zwirschina" auch nach 55 Jahren noch aktuell. Nicht einmal die Einführung der Dreipunkteregel für echte Siege konnte daran rütteln. Übrigens hat diese Regel 17 Jahre lang nichts daran geändert, dass rund sieben Prozent aller Spiele 0:0 ausgehen. Sie hat ihr Ziel also verfehlt. Beim Skifahren ist jedes Rennen zumindest ein Unentschieden und damit ein Sieg. Da können die zahlreichen Weltklasseläufer aus Österreich gar nicht verlieren. Die Leistungsdichte ist ein Beweis für den überdimensionalen Stellenwert des Skisports gegenüber anderen Sportarten. Die hervorragende Arbeit im ÖSV schafft ein atypisches Szenario für österreichische Sportverbände. Und sollte doch einmal kein Österreicher unter den ersten Fünf landen, so finden die euphorisierte Reporterschar und die vor Corporate Identity strotzende Funktionärsmaschinerie stets das Körnchen Mannschaftserfolg im Einzelversagen. Die Konkurrenz hat inzwischen aufgeholt, die erdrückende Übermacht des ÖSV ist Geschichte. Doch ein Blick auf den sogenannten "Nationencup" pickt jedes Mal ein Pflaster auf patriotische Hautabschürfungen. Aber Vorsicht: Jede dominante Zivilisation hat ein Ablaufdatum. Ein paar sehr alte Fußball-Fans schwärmen heute noch von einer goldenen Zeit, in der Brasiliens Fußballer voller Ehrfurcht "Die Österreicher Südamerikas" genannt wurden.