Reine Berechnung

Nichts von allem, was Lance Armstrong in seinem Sportlerleben getan hat, geschah ohne Kalkül.

Jürgen Preusser | über Armstrongs Doping-Geständnis

Lance Armstrong hat unreinen Tisch gemacht. Das kriminelle, scheinheilige Doping-System kommt ungeschoren davon.

Nichts von allem, was Lance Armstrong in seinem Sportlerleben getan hat, geschah ohne Kalkül. Schon gar nicht sein reumütiges Geständnis, das eigentlich kein Geständnis war. Was er sagte, weiß inzwischen jeder. Alles andere bleibt weiterhin einem geheimen, kriminellen Zirkel vorbehalten: Die wahren Praktiken, die Drahtzieher, die Hintermänner, die korrupten Funktionäre und die Dealer.

Wer Armstrong abnimmt, dass der Radsport inzwischen ein anderer geworden sei, dass das System überholt sei, geht ihm schon wieder in die Falle. Armstrongs Versuch, sich reinzuwaschen, ist gescheitert. Die Entschuldigung ist inakzeptabel und bringt den geprügelten und gesteinigten Radsport keinen Schritt weiter.

Die nächste Chance ergibt sich in zehn Tagen, wenn der Prozess um den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes beginnt. Theoretisch könnte sich dort auch herausstellen, dass der Radsport nicht der einzige Sumpf ist, der trockengelegt werden muss. Auch, dass die Aussage des Tennisstars Novak Djokovic, wonach Tennis zu den saubersten Sportarten zählt, nicht haltbar ist. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Prozess mehr ans Tageslicht bringt als Armstrongs sogenanntes Geständnis, ist bestenfalls mit der eines Lotto-Sechsers vergleichbar.

Erstellt am 18.01.2013