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21.12.2012

Neue Maßstäbe braucht die Stadt

Soll sich Wien für die Olympischen Sommerspiele 2028 bewerben? So lautet die klassische JA/NEIN-Frage bei der Volksbefragung in Wien.

| über Sport in Wien

65 Medaillen hat das Gastgeberland Großbritannien bei den Spielen von London verbucht; davon 29 aus Gold. Potenzielle österreichische Medaillengewinner für 2028 sind heute zwischen sieben und dreizehn Jahre alt, haben eine Turnstunde pro Woche, die eher regelmäßig ausfällt als stattfindet. Trotz der Lippenbekenntnisse aller 183 Nationalrats­abgeordneten und 130.000 Unterschriften für die tägliche Turnstunde auf www.turnstunde.at ist in den kommenden fünfzehneinhalb Jahren keine Angleichung an das europäische Mittelmaß in Sicht. Kernsportarten wie Leichtathletik und Schwimmen sind im internationalen Vergleich tot. Ballsport-Teams wären zwar als Gastgeber automatisch qualifiziert, aber dadurch nicht weniger chancenlos.

Das neue Sportförderungsgesetz wird von der ÖVP blockiert. Aus parteipolitischen Motiven – nicht aus sachlichen: Sportminister Darabos soll gefälligst bei der Bundesheer-Abstimmung auf die Schnauze fallen. Außerdem fühlen sich Schwarz und Blau durch den unausgereiften Olympia-Plan überrumpelt.

Doch so spontan war der Plan vielleicht ja gar nicht: Die Baufirma Strabag schreibt seit drei Quartalen rote Zahlen. Aufträge in der Höhe von 15 Milliarden Euro – das ist eh schon die Minimalvariante – könnten Impulse bringen. Bürgermeister Häupl beruft sich auf die reibungslose Austragung von sechs Fußballspielen während der EURO 2008 und eine Volleyball-EM, verschweigt aber, dass Österreich selbst als angesehenes Wintersport-Land drei Mal mit Bewerbungen kläglich gescheitert ist.

Neulich wurde in Wien ein Indoor-Marathon abgehalten: Die Strecke war um 1800 Meter zu kurz, weshalb sich Teilnehmer über sensationelle Zeiten freuen durften. Neue Maßstäbe setzen! Darin liegt der Schlüssel zum Erfolg: Wir bauen alle Sportanlagen nur halb so groß und überraschen damit die Gegner.