Wer ist hier der größte Fisch? Paul Schauers Rücktritt könnte einen Unterwasser-Kampf ausgelöst haben

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Meinung Kolumnen Zuendstoff
09/14/2012

Haifischbecken Schwimmverband

Zündstoff: Mit dem Abgang Schauers kehrte keine Ruhe ein: Jetzt geht es auch um einen antisemitischen Ausspruch – oder auch nicht.

von Jürgen Preusser

Ein Huhn, dem im vollen Lauf der Kopf abgeschlagen wird, läuft noch ein paar Meter weiter, ehe es umfällt.

Paul Schauer ist als Präsident des Schwimmverbandes zwar zurückgetreten, doch sein  inzwischen ehemaliger Finanzreferent Walter Benesch kämpft noch verbissen darum, bei der heutigen Vorstandswahl in Linz eine wahlfähige Liste präsentieren zu können.

Irgendwo muss sich doch wohl noch einer finden lassen, der einen passablen Präsidenten abgibt, um dem derzeit aussichtsreichsten Kandidaten (David Ungar-Klein) das Wasser abgraben zu können. Und tatsächlich: Spätabends vor der Wahl stand plötzlich der 48-jährige Wiener Verbandspräsident und SP-Gewerkschaftler Christian Meidlinger als Kandidat Gewehr bei Fuß. Eine Kampfabstimmung ist unvermeidlich.

Unheimlich

Noch lange vor der Wahl, bei den Staatsmeisterschaften, die sinnigerweise während der Olympischen Spiele (!) abgehalten wurden, soll ein antisemitischer Ausspruch gefallen sein. Dafür gab es Zeugen. Doch keiner wollte sich schließlich daran erinnern, weshalb bei der panisch einberufenen OSV-Sitzung am vergangenen Dienstag quasi demokratisch beschlossen wurde, dass die bösen Worte niemals gefallen seien.

Das ließ sich Oliver Kölli, Ex-Vorstandsmitglied und Chef der Wasserballer, nicht gefallen und stand bei eben dieser Sitzung auf: "Leider bin ich allein geblieben", sagt er. Er habe den Rücktritt von Herrn Benesch gefordert. Das sei aber nicht passiert, worauf er von der neuen "Liste Schauer" zurückgetreten sei. "Als Schuldirektor kann ich es mir nicht leisten, dass in meinem Verband auch nur ein Funken von so einem Gerücht im Raum stehen bleibt."

Damit war Schauers Flanke aufgerieben: Donnerstag trat der OSV-Präsident dann bekanntlich selbst zurück. In seiner diesbezüglichen Erklärung fand sich unter anderem der kryptische Satz:  "Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus hatten und haben im OSV während meiner Präsidentschaft keinen Platz." Erst der mutige Auftritt Köllis lässt erahnen, worum es dabei eigentlich gegangen sei.

"Ich bin kein Trottel"

Der 211-fache Wasserball-Nationalspieler und Ex-Fußball-Manager Kölli geht aber durchaus auch aus anderen Gründen, wie er dem KURIER bestätigt: "Ich habe – wie auch andere – nicht gewusst, dass neben dem Pool-Verein eine GmbH existiert. Ich habe nicht gewusst, dass der ehrenamtliche Kassier Benesch dort Geschäftsführer ist." Kölli sei aber immerhin ein Vorstandsmitglied gewesen. Und als solches hätte er es wissen müssen. "Am Dienstag in dieser plötzlich einberufenen Sitzung hat Benesch dann behauptet, dass wir alle informiert waren. Das stimmt nicht. Und ich bin kein Trottel und auch nicht vergesslich!"

Viele andere, die in der Sitzung waren, hätten angegeben, dass sie diese und jene Gerüchte gar nicht kennen. "Ich hab’ sie gefragt, ob sie den KURIER auch nicht kennen", sagt Kölli. Dort sei ja alles über die GmbH gestanden. Erst nach der Sitzung sei ihm von einigen zu seinem Mut gratuliert worden.

Schlusspfiff

Kölli sagt, er werde sich niemals für solche  Dinge instrumentalisieren lassen. "Ich hoffe, dass es heute in Linz zu keiner Kampfabstimmung kommt. Das würde dem Schwimmsport noch weiter schaden." Er werde dort gar nicht auftreten. "Ich denke, mit Ungar-Klein ist ein Kandidat gefunden. Es geht darum, dieses Chaos zu verhindern und eine einheitliche Liste aufzustellen, die den Sport weiterbringt."

Durch die Nominierung Meidlingers besteht die kleine Möglichkeit, dass der Grabenkampf um einen Parteisessel am heutigen Verbandstag in Linz eskaliert. Der Schlusspfiff für Paul Schauer war  offenbar erst der Anpfiff für ein deftiges Unterwasser-Rugby-Match in einem Haifischbecken.

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