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19.01.2012

wunder WELT: Lukrativer Nebenerwerb

Joachim Lottmann über gute Freunde und strenge Rechnungen.

Erst hielten wir es für einen Witz. Also, diese Wulff-Sache, über die die Deutschen vier Wochen lang gewitzelt haben, schwappte anscheinend bis nach Wien rüber: Unser Berliner Anwalt, der Linkspartei nahestehend, bat uns um eine Rechnung für geleistete Übernachtungsleistungen!

Er war mit seinen Kindern unser Gast über Weihnachten gewesen. Und er meinte es ganz ernst. Schließlich war es gut möglich, dass er in der Linkspartei noch eine beeindruckende Karriere machte. Er war kein Kommunist, aber sozial äußerst aktiv, und das war genau die richtige Mischung in der mit alten Kadern verstopften Vereinigung.

Ich schrieb also auf: Drei Tage für drei Personen sind neun Mal 150 Euro gleich 1.350 Euro plus 19 Prozent Steuer: 1.505,66 Euro. Bloß nichts abrunden, bloß keinen einzigen Cent erlassen – das hatte mir Dr. Mundt noch extra gesagt. Und das war am Sonntag vor einer Woche, abends nach dieser Günther-Jauch-Sendung. Am Dienstag darauf meldete sich sogar ein "Freund", der uns im Frühjahr besucht hatte.

Es war schon fast verjährt, aber ich stellte ihm die Rechnung aus. So ging es dann tröpfchenweise weiter. Jeden Tag eine weitere Rechnung, meist für Politiker der Grünen. Die hatten die meiste Angst.

Heute traf nun tatsächlich die erste Überweisung ein! Das Konto füllt sich. Und wir behalten das Geld, überweisen es keinesfalls zurück an jene "Freunde", bei denen WIR übernachtet haben. Wir brauchen nur noch einen Gewerbeschein, dann müssen wir nicht mehr schreiben. Nicht für die freizeit, und auch keine ambitionierten Romane mehr.

Das Buch, an dem ich gerade arbeite wird nie erscheinen. Ich stoße auf meine Gesundheit an, mit einem Glas Milch von glücklichen Kühen aus Niederösterreich.

 

joachim.lottmann(at)kurier.at