wunder WELT: Kreislauf

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Meinung Kolumnen Wunderwelt
09/19/2012

Reise nach Rom

wunder WELT: Joachim Lottmann über den Unterschied zwischen Pauschalreisen und private Unterkünfte.

von Joachim Lottmann

Rom, letztes Jahr, Pauschalreise. Wir wurden vom Reisebüro in so einen modernen Kasten einer grindigen Hotelkette eingepfercht, weitab vom Zentrum. Die Zimmer waren klein und unpersönlich, zeigten zum Innenhof, der leer und tot war. Der Chef war nirgends zu sehen, sein Portier kassierte die neue Sondersteuer gleich zwei Mal und wurde auch noch unleidlich, warf uns fast hinaus, als ich protestierte. Da kriegte man echt schlechte Laune. Ganz anders dieses Jahr. Wir sparten die 150 Euro pro Nacht und suchten uns im Internet eine private Unterkunft. Die werden dort für Rom zu Tausenden angeboten! Und immer mit Bildern, einer exakten Beschreibung und allen infrage kommenden Auskünften. Also genaue Gegend, Verfügbarkeit, Preis, Schlüsselübergabe und so weiter. Per Karte und Google Earth ist man dann direkt über der Wohnung. Dann tippt man in eine „Maske“ – das ist so ein sich öffnender Rahmen – eine persönliche Mitteilung. Bei uns war es so, dass wir sofort eine ebenso persönliche wie nette Antwort erhielten, von Filomena, 35, Journalistin. Ihre Wohnung hatte uns gleich gefallen, sicher nicht grundlos. Die Menschen sind eben so, wie sie sich einrichten. Nun leben wir schon seit einer Woche wie die Könige in Rom, bei bestem Wetter, zentraler Lage, Dachterrasse, eigenen Räumen, Küche, Lift, Hausbar und W-LAN. Und das für 37,50 Euro pro Nase! Jeden Tag machen wir Spaziergänge durch diese Stadt aller Städte, lassen uns treiben. Morgens stört kein mutwillig unhöfliches Zimmermädchen. Nachts hören wir die Geräusche der italienischen Metropole, tags erst recht. Die rabiaten Rufe, die Vespas, Mofas, Hunde, Schlager, das Quietschen der Straßenbahn, das kraftvolle Tönen eines künftigen Tenor-Stars, noch angestellt bei der Müllabfuhr. Gern bleiben wir länger, die Maria und ich, und freuen uns zudem auf Madrid, Paris und New York... Wer sagt eigentlich, es gäbe keinen Fortschritt mehr in der Welt?

joachim.lottmann(at)kurier.at

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