Angus Deaton sucht das Glück – wie wir

Er sei jemand, der sich mit den Armen der Welt befasst. Und damit, was die Menschen glücklich macht. So fasst Angus Deaton, der diesjährige Nobelpreisträger für Wirtschaft, seine Arbeit zusammen. Wir haben ihm die Erkenntnis zu verdanken, dass die persönliche Lebenszufriedenheit mit steigendem Einkommen zunimmt – allerdings nicht unbegrenzt. 2010, als seine Studie veröffentlicht wurde, lag diese Grenze bei 75.000 Dollar (rund 65.000 Euro) Jahresnettoeinkommen. Mehr Geld mache nicht glücklich. Ein US-Unternehmer nahm dieses Ergebnis wörtlich: er garantierte seinen Angestellten einen Mindestlohn in dieser Höhe.

Glückliche Beschäftigte

Aber: Wer verdient schon 65.000 Euro netto im Jahr? Und wie ist man mit weniger Geld glücklich? Die Antwort ist einfach, weil es im Grunde gar nicht ums Geld geht. Lange Zeit dachten Ökonomen, Arbeit sei reine Last. Heute, in modernen Industriegesellschaften, weiß man: Nicht Arbeit macht unzufrieden, sondern Arbeitslosigkeit. Wenn überhaupt, sind nur noch Gesundheit und Familienfrieden wichtiger, die Erwerbstätigkeit ist als Faktor für Lebenszufriedenheit ganz oben auf. In Deutschland hat das Roman-Herzog-Institut dieses Phänomen untersucht. Fast die Hälfte der Beschäftigten ist demnach "hochzufrieden". Von den Arbeitslosen fühlen sich nur wenige wohl. Experten schätzen: Wollte man arbeitslose Menschen für die dadurch erlittenen Zufriedenheitseinbußen entschädigen, müsste man ihnen fast das Doppelte ihres alten Einkommens zahlen. So schwer wiegt der Verlust an Ansehen und sozialem Kontakt, an Strukturierung des Tages und an Sinnstiftung. Faktoren, denen Beschäftigte oft wenig Bedeutung zumessen. Die aber, neben dem Einkommen, schmerzlich vermisst werden, wenn die Arbeitslosigkeit zuschlägt. In Österreich herrscht Rekordarbeitslosigkeit, Prognose: steigend. Wo bleibt da das Glück?

(kurier) Erstellt am
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