Am Rand der Leistungsgesellschaft
Der Arbeitsmarkt kennt kein Erbarmen - die agierenden Menschen vielleicht schon.
Dem Kreislauf fehlen die Auswege: Man ist arbeitslos und kann sich keine Miete leisten. Und man bekommt keine Arbeit, weil man obdachlos ist. Die beiden Schicksale gehen Hand in Hand. Jeder einzelne Betroffene hat seine tragische Geschichte – und Geschichten gibt es viele. Den typischen „Sandler“ gibt es nicht: Auch viele junge Menschen und viele Frauen sind von Wohnungs- und Joblosigkeit betroffen.
Aufstieg? Einstieg!
Die Zukunft eines Menschen wird von seiner sozialen Herkunft bestimmt. Das beginnt schon früh: Kinder armer Menschen haben eine schlechtere Chance auf gute Ausbildung, der soziale Status der Eltern bestimmt alle Möglichkeiten.
Fällt ein Erwachsener aus dem System, weil er seine Arbeit verliert, Sozialleistungen mit der Zeit weniger werden, die Wohnung unleistbar wird und auch keine Unterstützung von Freunden und Familie mehr da ist, sind viele Möglichkeiten auf einmal weg. Das hat mit einem Arbeitsmarkt zu tun, der kein Erbarmen kennt.
Wer nicht gut genug ausgebildet ist, wer Schwächen hat, wer zu jung oder zu alt ist, wer nicht über gute Kontakte verfügt, kein makelloses Auftreten hat, wer nicht mit Selbstvertrauen, Strategie und geschickter Eigenvermarktung punktet, wird im Bewerbungsprozess knallhart aussortiert. Firmen wollen die Leistungsfähigsten – das kann man ihnen nicht mal groß vorwerfen.
Ein Erfolgsfaktor dieses Landes ist die im internationalen Vergleich geringe Einkommensungleichheit (Gini-Koeffizient). Doch die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander – 1,2 Millionen Menschen in Österreich sind armutsgefährdet. Wirtschaftlich betrachtet muss es uns daher ein wichtiges Anliegen sein, dass auch Schwächere Teil dieser Leistungsgesellschaft sind. Menschlich gesehen sowieso.