über LEBEN: Auf Reisen

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Guido Tartarotti über das Reisen und seine Angst vor Bakterien und fremden Menschen

Wenn meine Mutter auf Reisen geht, geht das so: Sie packt drei Unterhosen und eine Zahnbürste in ein Sackerl, nimmt ihre Kreditkarte und besteigt irgendein Flugzeug. Dann trampt sie durch die australische Wüste oder lebt in Indien im Dschungel mit Eingeborenen oder trinkt in Nepal Yak-Milch mit dem Yeti. Meine Mutter ist ein junges Mädchen von 65 Jahren, das überhaupt nicht einsieht, warum es zu Hause bleiben soll, wenn da draußen noch so viel Welt darauf wartet, von ihr besucht zu werden.

Wenn mein Vater auf Reisen geht, geht das so: Auf der Fahrt zum Flughafen bekommt er bei Maria Lanzendorf Heimweh und kehrt um.

Ich mag meinen Vater und meine Mutter sehr, ich bin nur unglücklicherweise beider Sohn. In mir hauen sich Fern- und Heimweh ununterbrochen in die Goschen. Ich kann Reisen immer nur vorher und nachher genießen. Während der Reise habe ich zu viel Angst vor fremden Menschen, Tieren und Bakterien.

Zuletzt war ich auf Tobago. Am ersten Tag im Hotel geht die Klospülung kaputt. Ich rufe die Rezeption an. In diesem Zusammenhang sollte ich erwähnen, dass man auf Tobago ein entfernt an Englisch erinnerndes Idiom spricht, das so klingt, als versuche jemand, zwei Krapfen zu verschlucken und dabei "God Save The Queen" zu rülpsen. Die Rezeptionistin sagt: "Umbawumba Frontdesk, krzfrkstpfx, Sir." Ich antworte sicherheitshalber mit "Yes". Kurz darauf betritt ein Hotelangestellter mein Zimmer und beginnt, meine Zehennägel zu lackieren. Meine Freundin betrachtet den Palmenstrand, einen Schirmchendrink in der Hand. "Wir sind in der Hölle", sage ich. "Hier kommen wir nie wieder raus." Sie seufzt und nimmt einen Schluck. Sie kennt mich.

 

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(kurier) Erstellt am
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