Meinung | Kolumnen | über LEBEN
17.11.2017

Kaffee macht mich müde

Mama, ich trinke nie Kaffee!

Mama, ich trinke nie Kaffee!

Guido Tartarotti | über das Nichttrinken.

Menschen, die keinen Alkohol trinken, haben viel zu erzählen: Ständig muss man erklären, warum man etwas so Unfassbares tut. Ständig muss man Missionierungsversuche („Na geh, nur ein Glaserl zum Anstoßen“) abwehren und sich gegen den Verdacht verteidigen, ein fader Zipf zu sein (als gebe es nicht unendlich viele Leute, die es schaffen, auch MIT Alkohol unlustig zu sein). Und meist muss man Gesellschaften ab einem gewissen Zeitpunkt verlassen, will man nicht die ewig gleichen Sätze immer wieder hören.

Aber es wird besser, sagen Betroffene. Der Verzicht ist ja DAS Statussymbol einer Gesellschaft, die schon alles hat – Nichttrinker rutschen jetzt in die Rolle des Beneideten („Das will ich auch unbedingt probieren, vielleicht in der Fastenzeit, ach nein, doch nicht, da ist ja das Fest von der Heike, aber nächstes Jahr dann ...“). Irgendwas-Nichtesser sind sowieso schon Alltag – wer bei einer Einladung nicht betont, dass er irgendwas nicht isst, der kann gleich wieder gehen.

Beim Kaffee ist das anders. Wer keinen Kaffee trinkt, ist von einem wichtigen Teil sozialer Aktivitäten in Österreich abgeschnitten – von „Wir müssen unbedingt mal auf einen Kaffee“ bis zu „Magst noch auf einen Kaffee mit raufkommen?“. Kürzlich las ich, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Die einen können nicht schlafen, wenn sie Kaffee getrunken haben, die anderen schon. Ich gehöre zu einer dritten: Kaffee macht mich todmüde. Früher hab ich manchmal einen Espresso zum Einschlafen getrunken, hat immer funktioniert. Leider krieg ich von Kaffee auch Magenweh, Herzklopfen und Angstzustände. Daher trinke ich nie welchen, was einem aber in Österreich schlicht nicht geglaubt wird. Meine eigene Mutter sagt immer, wenn ich sie besuche: „Setz dich, es gibt Kaffee.“ Mama, ich trinke nie Kaffee! „Aso, ich hab geglaubt, das ist ein Witz.“

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 2. Dezember im Theater am Alsergrund, am 20. November in der Kulisse Wien und am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen.