Holz, Schminke und Angst

Warum ich so gerne auf der Bühne stehe (auch, wenn es riskant ist).

Jedes Theater hat seinen eigenen Geruch. Aber drei Aromen sind immer dabei: Holz, Schminke und Angst. Jede Aufführung auf einer Bühne ist aus Luft gebaut, aus Licht, Text, aus dem Talent der Darsteller, aus der Fantasie der Zuschauer – und auch aus der Angst, ob sich dieses Wunder auch diesmal wieder ausgehen kann (es geht sich immer aus, irgendwie).

Und darum spiele ich gerne Kabarett: Kein Abend gleicht dem anderen. Gemeinsam zu lachen ist ja ein sehr intimer Vorgang. Das Spannende am Auftreten ist das Publikum, denn es ist jedes Mal anders. 100 oder 200 oder 400 Menschen, die einander in dieser Kombination nie wieder treffen werden, kommen im Dunkeln zusammen und bilden eine Gruppe, zuerst miteinander, dann mit dem auf der Bühne.

Das ist immer anders. Manchmal hat man das Gefühl, man kennt einander ewig, wie alte Freunde,  manchmal dauert es eine Zeit, bis man miteinander warm wird – und manchmal geht man einander auch auf die Nerven (zum Glück sehr selten).

Manchmal deutet man auch etwas falsch. Ich hatte einmal einen Herrn in der ersten Reihe im Niedermair, Sitz ganz links außen, der mich, so schien es mir, den ganzen Abend hasserfüllt ansah. Nach der Vorstellung sagte er dann, es habe ihm so gut gefallen, er sei ganz versunken gewesen ...

Das macht es so spannend.

Wenn man jedenfalls nach einer Vorstellung, die man selbst als ein wenig unterkühlt empfunden hat,  ein Feedback wie das folgende kriegt, freut man sich einen sogenannten Haxen aus: „Was Sie betreiben, ist Sadismus in Form von verbal verursachter Körperverletzung. Einerseits ist da nach wie vor dieses unangenehme Ziehen in der Zwerchfellgegend und andererseits schmerzen unsere Mundwinkel schon sehr, weil wir dieselben seit etwa 20 Stunden nicht mehr nach unten bringen können.“

Theater riechen nach Holz, Schminke, Angst und oft auch nach Glück.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist  am 19. Februar  in der Kulturwerkstatt Kottingbrunn, am 21. Februar  und am 3. Mai im Kabarett Niedermair, am 2. März im Theater am Alsergrund, am 17. März in der Tischlerei Melk und am 20. März im CasaNova Wien zu sehen.

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(KURIER freizeit am Samstag) Erstellt am
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