Meinung | Kolumnen | über LEBEN
24.02.2018

Ein sogenannter Welpe

Mit den Augen eines Clowns oder für immer Kind: mein Hund.

,Seht Kinder, der kleine Graue ist ein sogenannter Welpe'.

Guido Tartarotti | über dier Dogge und andere Hunde.

Kürzlich spazierte ich mit der Bulldogge über die Mariahilfer Straße, wo wir einem Chow-Chow begegneten.

Der Chow-Chow begann sofort damit, die Dogge von oben bis unten einzuspeicheln, während sie mit den Augen rollte. In diesem Moment kam eine Gruppe Volksschüler vorbei, die Lehrerin zeigte auf meinen Hund und sagte: „Seht Kinder, der kleine Graue ist ein sogenannter Welpe.“ Ich überlegte kurz, zu sagen, nein, der ist sogenannte fünf Jahre alt, aber ich unterließ es – um weder die Lehrerin, noch meine Dogge bloßzustellen.

Dass der Hund offenbar noch ein Welpe ist, höre ich drei Mal am Tag. Die Dogge benimmt sich nämlich so.

Sie sieht in jedem Menschen, jedem Tier und jedem Gegenstand, dem sie begegnet, einen potenziellen Spielpartner, den es zu umwerben gilt. Zu diesem Zweck möchte sie mit dem Schwanz wedeln, da sie aber zuchtbedingt nur noch einen Stummel besitzt, wedelt sie mit dem ganzen Körper. Die Dogge hat entweder beschlossen, für immer Kind zu bleiben, oder das Leben mit den Augen eines Clowns zu betrachten, und beides ist eigentlich beneidenswert.

Manchmal werden wir auch angebrüllt, von selbsternannten Tugendpolizisten und -Politessen, weil ich einen Hund aus „Qualzucht“ gekauft hätte. Ich antworte dann, dass ich den Hund nicht gekauft, sondern aus dem Tierschutzhaus geholt habe – hätte ich ihm sagen sollen, leider, du stammst aus Qualzucht, ich muss dich daher erschlagen?

Manchmal erleben wir aber auch wunderschöne Momente. In der Lindengasse begegneten wir einem schwulen Pärchen, das begeistert meinte, die Farbe der Dogge (silbergrau) sei attraktiv, „sie sieht aus wie George Clooney“. Die Dogge wedelte mit dem Körper und fraß eine auf dem Boden liegende Erdbeere.

Diese Szene ließe sich gut verfilmen, mit George Clooney als Dogge und Arnold Schwarzenegger als Erdbeere.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 2. März im Theater am Alsergrund, am 17. März in der Tischlerei Melk und am 20. März im CasaNova Wien zu sehen.