Tennisschläger

Manches geht sich einfach nicht aus.

Kennen Sie das? Es gibt Dinge im Leben, von denen weiß man zwar, dass sie existieren, aber sie sind einem immer herzlich wurscht – bis man sie irgendwann, eher durch Zufall, näher kennen lernt und ihnen augenblicklich verfällt. So ging es mir zum Beispiel mit der Sportart American Football, dem Land Portugal und der Musik der Gruppe Motörhead.

Anderen Dingen läuft man ein Leben lang in blinder Liebe hinterher, nur um festzustellen: Es geht sich nicht aus, und es wird sich nie ausgehen. Diese Erfahrung musste ich mit Tennis- und Gitarrespielen machen. Tennis ist die Sportart, mit der ich aufwuchs – mein Vater war Tennislehrer. Noch heute vermittelt mir der Anblick von rotem Sand oder das Plopp-Geräusch von geschlagenen Bällen ein Gefühl von Heimat. Indes: Obwohl ich mich jahrzehntelang bemühte, diesen unglaublich eleganten Sport zu erlernen, ließ er sich nicht von mir erlernen – meine Augen sind so schlecht, dass ich den Ball nicht richtig sehe und daher nicht treffe.

Ähnlich ging es mir beim Gitarrespielen. Mein Traumberuf war (und ist) Rockmusiker. Doch obwohl ich zu manchen Zeiten sechs Stunden am Tag übte, gute Lehrer hatte und in vielen Bands spielte, musste ich irgendwann einsehen: Das Talent hält mit der Liebe nicht Schritt. Gitarrespielen klingt bei mir immer so, als spielte ich auf dem Tennisschläger Gitarre.

Und dann gibt es auch Dinge, von denen weiß man immer schon, dass man sie lieben könnte, aber irgendwie geht man immer aneinander vorbei. Immer schon wollte ich Italienisch lernen, weil ich den Klang der Sprache so mag, und habe es immer auf nächstes Jahr verschoben. Immer schon wollte ich Schauspiel- und Gesangsunterricht nehmen, habe aber immer davon abgesehen, weil ich den Wunsch irgendwie peinlich fand. Und als ich unlängst im Fernsehen eine Dokumentation über das Ausseer Land sah, wusste ich: Bergsteigen! DAS wäre etwas für mich gewesen! Warum war ich nie?

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" läuft am 23. Mai im Theater am Alsergrund, am 31. Mai in der Kulisse Wien und am 8. Juni im Casino Baden.

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(KURIER freizeit am Samstag) Erstellt am
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