über Bahnreisen in Kärnten.
05/21/2016

Nirgendwo ein Krokodil!

Mit dem Zug von Villach nach Syracuse.

von Guido Tartarotti

Zugfahren erlaubt uns die Illusion, das Leben habe es nicht eilig.

Guido Tartarotti | über Bahnreisen in Kärnten.

Wo fange ich jetzt an, in Villach oder in Syracuse? Vielleicht besser in Villach, das liegt näher.

Also: Unlängst war ich, zum ersten Mal in meinem Leben, in Villach, und dachte an Syracuse (umgekehrt wäre es wahrscheinlich noch merkwürdiger). Villach ist eine sehr sympathische Stadt, ich hatte dort einen Auftritt gemeinsam mit den ebenso netten wie lustigen Gebrüdern Moped, in einem freundlichen kleinen Kabarett-Lokal. Am nächsten Tag marschierte ich zufrieden vom Hotel zum Bahnhof, die Sonne schien, auf den Bergen schimmerte der Schnee, ich überquerte die Drau und dachte: Schau an, nirgendwo ein Krokodil. (Erinnert sich noch wer an die Hysterie des Jahres 2012, als ein von ein paar Kindern frei erfundenes Krokodil in der Drau sogar zu Hubschraubereinsätzen und zu Interviews mit „Reptilien-Experten“ führte?)

Meine Hochstimmung hielt an, als ich mich in den nahezu leeren Zug nach Wien setzte. Ich liebe Zugfahren, ich finde das Tempo angemessen, man kann zuschauen, wie sich die Landschaft verändert, man kann durch die Waggons spazieren, Leute beobachten, man kann lesen oder schlafen. Zugfahren erlaubt uns die Illusion, das Leben habe es nicht eilig. Noch mehr als Züge liebe ich leere Züge, denn ich führe nicht gern Gespräche. Ich finde Schweigen fast immer angenehmer als Reden.

Als ich vergnügt der herrlichen Kärntnerischen Durchsage „Nechsta Hold, Songd Vehd on da Glaaan“ lauschte, musste ich an Syracuse denken. In einem Flugzeug nach Syracuse wurde ein Mann als Terrorverdächtiger verhaftet, weil er sich weigerte, auf die Smalltalk-Versuche seiner Nachbarin einzugehen und lieber in seinem Notizbuch Gleichungen berechnete. Immerhin weiß ich jetzt, wozu die Mathematik-Qual gut war – um unliebsamen Gesprächen zu entgehen. Wobei man dann unter Umständen für den Rest seines Lebens in Guantanamo wohnt und nie wieder Villach sieht.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" hat am 2. September im Niedermair in Wien Premiere. Zweite Vorstellung am 22. September im Theater am Alsergrund.

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