über das Fendrich-Musical.
02/18/2017

Musical - a schware Partie

Jemanden zum Musical zu machen, das ist die brutalste Form der Auszeichnung.

von Guido Tartarotti

Die brutalste Form der Auszeichnung, die Wien zu bieten hat.

Guido Tartarotti | über das Fendrich-Musical.

Die Vereinigten Bühnen Wien haben ein neues Musical angekündigt –„rund um den berühmtesten Austropop-Song aller Zeiten“, wie der Intendant zurückhaltend formulierte. Und ich dachte reflexartig: Echt, die machen ein Musical aus „Da Hofa“ – vielleicht über den letzten Präsidentschaftswahlkampf? Oder eines aus „Schifoan“, in dem ein Mann am Sonntag seine Ski auf seinem Auto montiert, bevor es ihn überkommt, er noch einmal hinaufschaut und am Montag auch noch da bleibt? Oder eines aus „ schau“, in dem ein alternativ Bekleideter das Kaffeehaus Hawelka betritt? Oder eines über „Rock Me Amadeus“, in dem der Autor Amadeus auffordert, ihn zu rocken? Oder eines über „Fürstenfeld“, in dem drei Männer mit Schnurrbart-Minipli die Gemeinden Fürstenfeld, Sinabelkirchen und Stinatz verkörpern (mit Uwe Kröger als Sinabelkirchen und Zauberer Tintifax als Dirndl mit schwarzen Lippen und grünen Haaren)?

Gemeint war aber dann eh „I Am From Austria“, über die Handlung ist nur bekannt, dass sie in einem Hotel spielt, was tolle Exportmöglichkeiten eröffnet, denn Hotels gibt es überall, die englische Version könnte fein werden – I am your apple, you are my trunk!

Bei der Präsentation sagte Rainhard Fendrich, er habe stets einen Hang zum Pathos in seinen Melodien gehabt, und niemand wagte, zu widerprechen. Außerdem sagte er, er habe bereits 700 Lieder komponiert, worauf selbst Musical-gestählte Personen Angst bekamen, denn das wären bei vier Minuten pro Lied fast 47 Stunden Musical, und da wäre noch gar keine Handlung dabei. Aber es kommen eh nur 20 Lieder ins Musical, die anderen 680 hebt man sich für später auf.

Jemanden zum Musical zu machen, das ist die brutalste Form der Auszeichnung, die Wien einem Künstler antun kann, und wäre ich Seiler & Speer, ich hätte heute schon ein wenig Angst. Irgendwann einmal könnte das eine schware Partie werden.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 24. Februar im Kuga, Großwarasdorf, zu sehen, am 10. März und 23. Mai im Theater am Alsergrund, am 21. April in der Hinterbrühl, Anningersaal, und am 28. April im Wilheringerhof, Klosterneuburg.

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