Meinung | Kolumnen | über LEBEN
08.10.2017

Ich mache Mist, also bin ich

Der Umgang mit Müll ist ein täglicher Intelligenz- und Charaktertest.

Menschen hinterlassen gerne Müll, damit etwas von ihnen bleibt.

Guido Tartarotti | über Müll und Dreck. Und Mist. Und Abfall.

Ich glaube ja, der Umgang mit Müll ist ein täglicher Intelligenz- und Charaktertest. Es ist im Prinzip ganz einfach: Dort, wo „Glas“ draufsteht, hauen wir Glas rein, wo „Papier“ draufsteht, Papier, wo „Metall“ draufsteht, Metall usw. Dem Aufmerksamen erschließt sich hier ein ganzes System. Wichtig: Wo gar nichts drauf steht, hauen wir auch gar nichts weg, denn das ist dann eine Wiese oder eine Straße oder ein Stiegenhaus.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele mit Lust diesen Test nicht bestehen, alte Möbel neben den Restmüll stellen, Plastik in den Papiercontainer hauen oder die Wiese großflächig mit Mist bedecken. Es ist auch interessant, wie viele Menschen daran scheitern, einen Müllcontainer richtig zu befüllen (also nicht nur vorne, sondern auch hinten) oder den Deckel wieder zu schließen, damit der Gestank nicht herauskann.

Manchmal denke ich, Menschen hinterlassen gerne Müll, weil sie vielleicht wissen, dass nicht viel mehr von ihnen zurückbleiben wird auf dieser Welt. Müll heißt: Ich war da. So etwas kann die Jahrhunderte überdauern – der achte Hügel Roms, der nur aus Müll bestehende Testaccio, kündet noch heute von der Größe und Macht des römischen Reiches.

Unlängst begann es bei uns in der Siedlung plötzlich bestialisch zu stinken, so als hätten 1000 Hunde gleichzeitig gepfurzt, dann rannte ein Nachbar mit wedelnden Armen vors Haus und brüllte, aus seinem Klo steige der ganze Kanalinhalt, und dann kam schon die Feuerwehr. Es stellte sich heraus, dass das WC-Abflussrohr des Nachbarhauses kaputt war, weil einige Wohnungsbesitzer regelmäßig ihre Katzenklos in die Toilette ausgeschüttet hatten und das Katzenstreu mit der Zeit einen stahlharten Pfropfen gebildet hatte.

Da musste ich daran denken, was ich unlängst gelesen hatte: In einem Stadtteil von Genf war der Kanal von Geldscheinen verstopft worden. Die Schweizer haben Geld, wir haben Katzen.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 24. Oktober und am 2. Dezember im Theater am Alsergrund, am 20. November in der Kulisse Wien und am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen.