über die Veränderung eines Freundes.
10/22/2016

Ganz oder gar nicht

Der Malz ist nicht lauwarm.

von Guido Tartarotti

Auch dann.

Guido Tartarotti | über die Veränderung eines Freundes.

Mein alter Freund, der Malz, tut die Dinge, die er tut, immer ganz. Als er Nichtraucher, Nichttrinker, Sportler und Rockmusikhasser war, war er das mit Leib und Seele. Als er dann Lust auf Sex, Drugs und Schlagzeugspielen bekam, wurde er ein Vollprofi darin. Wenn er verliebt war, war er der verliebteste Mensch der Welt. Wenn ihm mehr nach einem flexiblen Privatleben war, dann ähnelte sein Dasein dem Drehbuch von „Pregau“, nur ohne Mord. Der Malz war Sportler, Beinahe-Rockstar, Kellner, Badeteichbesitzer, Chefredakteur, Unternehmer, Konkursabwickler, Arbeitsloser und Motorradunfallversehrter, und jeden dieser Berufe füllte er mit dem heiligen Ernst des Berufenen aus. Man kann das extrem nennen, oder auch konsequent. Der Malz ist nicht lauwarm.

Nach seinem Unfall, als es Monate dauerte, um aus seinen zergatschten Einzelteilen wieder etwas Malzähnliches zu rekonstruieren, entdecke Malz Yoga, Meditation und Transzendenz, und jetzt ist er Profi-Baumumarmer (er nennt sich ironisch selber so). Das bedeutet, er schaut beneidenswert fit aus, verwendet oft Begriffe wie „ganzheitlich“ und verträgt weniger Bier als früher.

Teil dieses Prozesses war, dass sich der Malz ans Klavier setzte und einen Haufen Lieder schrieb, die er nun als Multimedia-Kunstwerk auf die Bühne bringen will, und die Konsequenz des Malz kennend, kann ich mir durchaus vorstellen, dass man davon noch viel hören wird. Zu diesem Projekt schrieb der Malz auch einen Begleittext, der so spirituell, lebensbejahend und zivilisationskritisch ist, dass man ihn durchaus auch als Bewerbungsschreiben für den Posten des Staatssekretärs für Schlagzeugspiel und Bartkugeldesign im Kabinett Düringer I. verwenden könnte.

Natürlich irritiert mich das, für Baumumarmerei hatte ich nie viel übrig. Aber noch mehr freut es mich, dass es dem Malz gut geht. Und Freundschaft ist ja auch: einander auch dann mögen, wenn man einander gerade nicht so verstehen kann.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 25. Oktober, am 18. November und am 20. Dezember im Theater am Alsergrund zu sehen, am 28. Oktober im Kellertheater Klosterneuburg und am 3. November in der Stadtgalerie Mödling.

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