Über die Bestellung der Geschäftsführerin:
05/25/2016

Wie Klaus Bachler für Silvia Stantejsky intervenierte

Der desaströse Bericht des Rechnungshofs über das Burgtheater - Teil 4

von Thomas Trenkler

Georg Springer beugte sich der Ministerin - trickreich.

Thomas Trenkler | Über die Bestellung der Geschäftsführerin:

Wieso wurde Silvia Stantejsky, von einer beigezogenen Unternehmensberaterin nur auf Platz drei (genau genommen Platz 2b) gereiht, mit 1. September 2008 kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters?

Im September 2004 begann die zweite, bis zum Herbst 2009 laufende Funktionsperiode von Klaus Bachler und Thomas Drozda als Geschäftsführer des Burgtheaters. Bereits acht Monate später, im Mai 2005, wurde bekannt gegeben, dass Bachler mit Beginn der Spielzeit 2008/’09 die Direktion der Bayerischen Staatsoper in München übernehmen werde. Er versprach, seinen Burgtheater-Vertrag zu erfüllen. Doch es war bereits damals klar, dass er in seiner letzten Saison kaum in Wien sein werde.

Und dann kam noch sein Co-Geschäftsführer abhanden: Am 18. Dezember 2007 gab die Stadt Wien bekannt, dass Drozda mit 1. Juli 2008 Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien werde. Es brauchte daher ein Jahr vor der Zeit eine neue kaufmännische Leitung.

Bachler wollte dem Wechsel Drozdas lediglich unter der Bedingung zustimmen, dass er sich an kein neues Gesicht gewöhnen muss. Mithin kam nur die Betriebswirtin Stantejsky infrage, die seit der Ausgliederung 1999 Stellvertreterin von Drozda war. Und Bachler intervenierte bei der damaligen SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied. Er schrieb am 11. März 2008: „Ich darf noch einmal sagen, dass ich hoffe, Ihre Wahl wird auf Frau Mag. Silvia Stantejsky fallen, die als langjährige Prokuristin dieses Hauses dafür meiner Meinung nach bestens geeignet ist und auch in der gegenwärtigen Übergangssituation ideal wäre.“

Georg Springer, der Chef der Bundestheater-Holding, hatte eine Bestellungskommission eingesetzt. Ihr gehörten Othmar Stoss, sein engster Mitarbeiter, und Drozda, der Vorgesetzte von Stantejsky, an. Dieses sicherlich völlig unabhängige wie überparteiliche Gremium empfahl Stantejsky.

Springer hatte aber Bauchweh, mit Stantejsky einen üblichen Fünfjahresvertrag abzuschließen: Er schlug eine Laufzeit von zwei Jahren vor – eben als Übergangslösung. Matthias Hartmann, Bachlers Nachfolger, sollte selber entscheiden, mit wem er die Geschäfte führt. Doch Stantejsky beklagte sich, wie man hört, bei Schmied. Es sei unfair, dass sie als erste weibliche Geschäftsführerin der Bundestheater schlechter behandelt werden sollte als die Männer. Daraufhin wurde Springer angewiesen, ihr einen Fünfjahresvertrag zu geben.

Der Holding-Chef beugte sich – trickreich: Der Vertrag sah vor, dass er nach zwei Jahren von beiden Seiten aufgelöst werden konnte. Es gab auch eine Frist, bis wann die Reißleine gezogen sein musste, andernfalls er eben weiterlief. Das war der 15. Februar 2010.

Hartmann konnte aber zufrieden sein mit seiner Co-Geschäftsführerin. Denn Stantejsky bot ihm im März 2009 an, seine Regiehonorare um 31 Prozent zu erhöhen – von vereinbarten 40.000 Euro auf 52.500 Euro. Und sie verwahrte im Burgtheater seine unversteuerten Vorbereitungshonorare.

Vier Tage vor Ablauf, am 11. Februar 2010, schrieb Hartmann an Springer: „Ich habe ihr (Silvia Stantejsky, Anm.) mein Vertrauen ausgesprochen und mich mit ihr für die nächsten Jahre zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit verabredet.“

2013, als das Burgtheater bereits lichterloh brannte, machte Hartmann seine „Silvi“ sogar zur Stellvertreterin.

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