über Fußball im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
08/25/2013

Wenn das Monopol nur zweiter Sieger ist

Teamchef Marcel Koller verrät Dienstag sein Aufgebot für das Länderspiel gegen Deutschland, das der ORF nicht übertragen darf.

von Wolfgang Winheim

Mittlerweile macht der ORF so früh und laut wie möglich für seine Fernseh-Matches Reklame

Wolfgang Winheim | über Fußball im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Zu Zeiten, als Herbert „Schneckerl“ Prohaska noch im Afro-Look seine Gegner zur Schneck’n machte, wurde oft erst am Spieltag das Zustandekommen einer TV-Übertragung gemeldet. Mit dieser Fopperei des Konsumenten wollten Vereine und Verbände eine Geschäftsstörung beim Kartenvorverkauf verhindern.

Mittlerweile macht der ORF so früh und laut wie möglich für seine Fernseh-Matches Reklame. Mittlerweile hat allerdings nicht nur ORF-Chefanalytiker Prohaska, sondern auch dessen Dienstgeber Haare gelassen. Privatsender haben dem Platzhirschen vom Küniglberg das Geweih abgestoßen im Kampf um teure Fußball-Rechte.

So wird der Jahrhundert-Austrianer just am Dienstag, wenn die Austria gegen Dinamo um ihre Jahrzehnte-Chance für die Champions League kämpft, dienstfrei haben.

Und sollte das 2:0-Guthaben von Zagreb erfolgreich verteidigt werden und sich die Wiener Austria erstmals in ihrer Vereinsgeschichte für die europäische Meisterliga qualifizieren, dann hat ORF-Mann Prohaska bei den sechs Gruppenspielen trotzdem nichts zu plaudern. Denn:

Übertragen dürfen aus der Königsklasse ausschließlich Puls 4 und Sky.

Immerhin kann der ORF seinen Fußball-Stammgästen Live-Erlebnisse von der Europa-League mit Salzburg (fix) und Rapid (wahrscheinlich) versprechen, ehe das ausgebremste Monopol bei drei von vier WM-Qualifikationsspielen der National-Elf erneut durch die Röhre schaut.

Zwar wird der ORF am 10. September, an dem die (von Italiens Trainerlegende Giovanni Trapattoni gecoachten) Iren im Wiener Happel-Stadion gastieren, im Bilde sein. Davor (= beim Münchner Schlager gegen Deutschland am 6. September) und danach in Schweden und auf Färöer aber ist ATV am Ball.

Mit ein bissel Glück für Marcel Kollers Team und ein bissel Pech für den ORF wird das letzte Gruppenspiel im Oktober auf der (zu diesem Zeitpunkt schon extrem windigen) Insel im Nordatlantik das entscheidende sein. Und damit für ATV zum Quotenhit werden.

Beim letzten österreichischen Auftritt auf Färöer vor fünf Jahren, als der Tscheche Karel Brückner in der Startphase der EM-Qualifikation Andreas Ivanschitz, Marc Janko und Co coachte, blamierten sich noch Nationalmannschaft (1:1) u n d ORF. Letzterer unverschuldet.

Ein koffergroßes, für das Satelliten-Signal notwendiges Gerät (Fachausdruck Uplink) war auf dem Airport Kopenhagen liegen geblieben. Und danach im sturmbedingten Flugchaos im Gegensatz zum slowenischen Referee Darko Ceferin, der auch erst eine Stunde vor Anpfiff landete, nicht mehr rechtzeitig eingetroffen.

Die Regie zeigte daraufhin 90 Minuten ein Bild vom Kleinstadion in Torshavn, während TV-Kommentator Thomas König unaufhörlich redete. Trotzdem „sahen“ 300.000 bei der Radio-Übertragung zu. Und als mit 24 Stunden Verspätung doch die Bildbeweise vom enttäuschenden 1:1 nachgeliefert werden konnten, harrten über 200.000 Masochisten beim Konserven-Kick aus. Zahlen, die heutzutage so manche TV-Abteilung jubeln ließen.

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