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26.11.2017

Spieler aus 13 Nationen beim Schlager in Hütteldorf

Aus sturer Wiener Fußballsicht geben die Salzburger derzeit unbefriedigend wenig Gelegenheit zum Spotten.

Wolfgang Winheim | über den Sonntags-Schlager

Einigen der wenigen Salzburger Anhänger, die heute zum Schlagerspiel nach Hütteldorf fahren, wird auf dem vorletzten Autobahnkilometer vielleicht auffallen, dass das Hinweisschild zum Allianz-Stadion mit schwarzer Farbe überpinselt ist – aus Protest, dass Rapids Heimstätte den Namen eines Sponsors trägt.

So nachvollziehbar die Aversion gegen den ausufernden Kommerz im Fußball ist – Rapids Hardcore-Fans müssen einsehen, dass ihre Eintrittsgelder nur reichen würden, um in der zweiten Liga in einer Bruchbude konkurrenzfähig zu sein.

Mit Erlaubnis des Ultra-affinen Geschäftsführers Christoph Peschek und erstaunlicher Toleranz des Versicherungskonzerns, der den Neubau erst (mit)ermöglicht hatte,wird das Allianz-Stadion wie immer mit einem Riesentransparent "Weststadion" dekoriert sein. Wie immer in diesem Herbst ist dort Erlebniswert garantiert.

Wie immer werden Ultras mit einer aufwendigen Choreografie auffallen. Und wie immer, wenn es gegen vermeintliche Provinzler geht, werden entbehrliche Sprechchöre à la "Bauernschweine" kaum zu überhören sein. Abgesehen davon, dass der Beruf Landwirt größten Respekt verdient und heute Spieler aus 13 Nationen einlaufen werden – die einfältigen Rufer sollten wissen, dass aufseiten Salzburgs nur ein Salzburger (Stefan Lainer) einläuft. Und dass Rapids Kapitän Stefan Schwab ein Salzburger (aus Saalfelden) ist.

Aus sturer Wiener Fußballsicht geben die Salzburger derzeit unbefriedigend wenig Gelegenheit zum Spotten. Ihnen kann nur vorgehalten werden, dass der Besuch bei Heimspielen in Relation zum Erfolg mäßig ist und dass die Bullen – im Gegensatz zu Rapid und Austria – noch nie den Einzug in die Champions League schafften.

Zur Begründung, weshalb RB Salzburg in zehn Anläufen auf die Königsklasse zehn Mal scheiterte, reichen neun Zeilen:

Salzburg verkauft alle Sommer wieder seine Besten. Und ehe der (oft ebenfalls neue) Trainer aus deren Nachfolgern ein homogenes Team geformt hat, sind die Champions-League-Quali-Spiele schon wieder vorbei. Denn die finden ebenfalls im Sommer statt.

Sobald die Europa League beginnt, sind aber junge Neue auf Ballhöhe. Mehr noch: Red Bull, das sich auf UEFA-Weisung brav FC Salzburg nennt, fixierte soeben im zweitwichtigsten internationalen Klubbewerb zum vierten Mal den Gruppensieg. Das ist noch keinem anderen europäischen Verein gelungen.

Red Bulls Multikulti-Team kommt zudem als Tabellenführer ins ausverkaufte Allianz-Stadion. Trotzdem haben die Rapidler heute Chancen gegen die Dosen-Kicker. Weil auch die Spieler des als Verlegenheitstrainer gestarteten Goran Djuricin keine Flaschen sind.