über den prallen Fußball-Terminkalender
08/15/2013

Wenn sich die Freundschaft aufhört

von Wolfgang Winheim

Auch der ÖFB hat sich dem Diktat von oben zu beugen

Wolfgang Winheim | über den prallen Fußball-Terminkalender

Gott sei Dank ist es nur ein Freundschaftsspiel“, sagte Papst Franziskus, als der aus Buenos Aires stammende, fußballbegeisterte Heilige Vater die italienischen und die argentinischen Nationalspieler vor deren Match in Rom zur Audienz empfing. Nachsatz: Da käme er nicht einen Gewissenskonflikt, zu wem er halten solle.

Wie Italiener und Argentinier probten gestern 54 andere Länder 300 Tage vor der Brasilien-WM 2014. Nur: Solche Freundschaftsspiele, wie sie dem Papst lieber sind, wird es künftig nicht mehr geben. Zumindest nicht im Sommer. Und zumindest nicht für Nationalmannschaften.

Auch der ÖFB hat sich dem Diktat von oben zu beugen. Das Salzburger Match gegen Griechenland war für ewige Fußball-Zeiten das letzte im August. Die internationalen Top-Klubs wollen das so. Ginge es nur nach ihnen, würden die Nationalteams irgendwann ganz abgeschafft werden. Es sei denn, die Verbände zahlen für jedes Länderspiel an die Klubs hohe Abstellgebühren wie bei der WM 2014 die FIFA, der für Brasilien 48 Millionen abgeknöpft werden sollen.

Einerseits ist die Haltung der (unter Vorsitz des Bayern Karl-Heinz Rummenigge solidarisierten) Großklubs zu verstehen, wenn die auf den prallen Terminkalender verweisen und argumentieren, dass sie in ihre Wunderkicker Millionen investieren, um dann miterleben zu müssen, wie sich ein sündteurer Gehaltsempfänger beim Nationalteam verletzt. Andererseits kann Nationaltrainern nicht zugemutet werden, dass sie ihre Teams ohne Experimentierphase in WM-Qualifikationsspiele schicken, wenn zugleich Klubtrainer einen mäßigen Saisonstart damit rechtfertigen, dass man drei, vier Liga-Spiele benötige, um in Top-Form zu kommen.

In Wahrheit werden Bayern, Barça , ManUtd, Chelsea oder Juve, zumal deren Multikulti-Esembles jahraus, jahrein miteinander arbeiten, jetzt schon taktisch und mannschaftlich stärker sein als die Nationalteams.

Bei kleineren Ländern à la Österreich, Slowakei, Kroatien ist es umgekehrt. Da macht die Qualität der Legionäre den Unterschied zum Vereinsfußball aus.

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