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01.10.2017

Als der Erfolg ausblieb, war's mit dem Spaß vorbei

Ein Hierarchien-Zwist, der schon größeren Teams zum Verhängnis wurde.

Wolfgang Winheim | über die Probleme im ÖFB-Kader

Als Hannes Kartnig zum ersten Mal aus der Haft entlassen wurde, hatte den Steirer als Erster NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll angerufen. Als sich Kartnig in dieser Woche seiner Fußfessel entledigen und als freier Mann zurück ins Rampenlicht durfte, war der ORF in der Poleposition. Prompt lederte Kartnig, der zwei Jahrzehnte lang als einziger Klubpräsident die Nationalelf zu jedem Auswärtsspiel begleitet hatte, vor dem Mikrofon über die aktuelle Auswahl los.

Marcel Kollers Hauptfehler, mutmaßt Kartnig, sei es, dass er einigen Stars gegenüber zu tolerant wäre und über deren Disziplinlosigkeiten hinweggesehen habe.

Die stille Post zwischen Wien und der Haftanstalt Graz-Karlau dürfte funktionieren haben, deckt sich doch die Häfenanalyse mit G’schichten, die sich Fußball-Promis im Prater hinter vorgehaltener Hand erzählen.

Bestätigt wurden die Gerüchte von nächtlichem Ausbüchsen aus dem Teamhotel nie. Eher dürfte das extreme Bildungsgefälle im Kader, das während der erfolgreichen Qualifikation für die EM 2016 noch zu Spaß und guter Laune beitrug, seit Ausbleiben der Siege ein Problem sein. Als nämlich jene, die’s mehr in den Waden als im Kopf haben, die seriöseren Kollegen wissen ließen, wer die Chefs seien. Ein Hierarchien-Zwist, der schon größeren Teams zum Verhängnis wurde.

Der vorlaute Kartnig, der das Steuerschnalzen, wie es unter Wiener Großklubs noch in den 80er-Jahren üblich gewesen war, zugunsten von Sturm ungeniert kopiert und für ein Kavaliersdelikt gehalten hatte, will nie mehr mit Fußball zu tun haben. Im Gegensatz zu Uli Hoeneß.

Nach Abbüßen der Haft wegen schweren Steuerbetrugs übersiedelte Hoeneß nahtlos zurück in die Bayern-Chefetage. Mehr noch: Hoeneß wurde wie ein Messias empfangen. Zumal man südlich des Weißwurstäquators nicht vergisst, dass sich der FC Bayern unter der Führung von Ex-Weltmeister Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge über 25 Jahre an der Europa-Spitze gehalten hat, während die deutschen Konkurrenzklubs abwechselnd in tiefste Krisen rutschten. Auch wird geschätzt, dass sich der FC Bayern nie in die Abhängigkeit exotischer Geldgeber oder Oligarchen begab.

Dass die Bayern nach nur einer Niederlage (0:3 in Paris) panikartig Trainer Carlos Ancelotti feuerten, überrascht. Musste der Italiener gehen, weil frustrierte Altstars (Robben, Ribéry usw.) den Aufstand probten?

Keiner könnte über die Interna beim ÖFB-Team und dem FC Bayern besser Auskunft geben als David Alaba. Er wird es niemals tun.

Er hat sich längst Marcel Koller zum Vorbild genommen. Obwohl ein Schlitzohr (oder gerade deshalb), wurde Alaba zum Meister seichter Interviews. Motto: viel reden, nix sagen. Gönnen wir ihm, dass er endlich wieder auf dem Feld das entscheidende Wörterln mitplaudert.