über Paralympics
09/10/2016

Sehbehindert

von Wolfgang Winheim

Doch die Paralympic-Starter verlangen kein Mitleid. Sie wollen als Sportler ernst genommen werden.

Wolfgang Winheim | über Paralympics

Barcelonas Fußballstars traten mit verbundenen Augen zum Elferschießen gegen das spanische Blinden-Nationalteam an. Dass es für die Profis dank Messi gerade noch zum Remis reichte, war nebensächlich. Mit dem Video-Clip soll erreicht werden, dass die Sportöffentlichkeit – trotz Ronaldo-Comeback, trotz Manchester-Derby, trotz nationaler Schlager à la Sturm – Rapid, trotz New Yorker Tennis-Finale – ihren Blick auf die Paralympics in Rio richtet. Verdient haben sich das die dort startenden 4350 Behinderten-Sportler allemal.

Allein schon das Lesen ihrer Biografien stimmt demütig. Doch die Paralympic-Starter verlangen kein Mitleid. Sie wollen als Sportler ernst genommen werden. Was Doping-Jäger auch gnadenlos tun. Selbst die belgische Rollstuhl-Athletin Marieke Vervoort, die Weltrekorde über 400, 800 und 1000 Meter hält, die an einer unheilbaren, neuromuskulären degenerativen Krankheit leidet, die vor Rio schon Morphium wegen unerträglicher Schmerzen bekam und deren Papiere für aktive Sterbehilfe unterschrieben sind, wurde kontrolliert.

Auch unter Paralympic-Kandidaten wird gedopt. So sehr, dass alle russischen Behindertensportler ausgeschlossen wurden. Nicht für Rio de Janeiro. Sondern pauschal jetzt schon für die Winterspiele 2018. So wird von unbarmherzigen, polit-orientierten Bonzen auch schuldlosen Gelähmten, Gehörlosen und Sehbehinderten das großes Ziel genommen. Auch Vorurteile machen blind.