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31.08.2014

Die vielen Leben des Helmut Köglberger

Sein schonungsbedürftiges Herz schlägt für Kinder heftig wie eh und je.

Wolfgang Winheim | über einen sozial engagierten Ex-Kicker

Er weiß den Namen seines Vaters bis heute nicht. Und ob er recherchieren soll, wenn die USA Einblick in ihr Nachkriegsarchiv gewährt. Sportarchivare indes wissen, dass Helmut Köglberger 28 Mal für Österreich stürmte; dass er 236 Tore (die meisten für Austria) erzielte; und dass er vor genau 50 Jahren im Oberhaus (für den LASK) debütieren durfte. Er, das Besatzungskind, das sich heute sozial so wunderbar engagiert.

Köglberger, 68, wohnt seit 1975 in einem Holzhaus in Altenberg (OÖ) mit Frau Christina. Er ist seit 48 Jahren mit ihr verheiratet. Er stammt noch aus einer Kicker-Generation, in der es nicht üblich war, häufig Klubs und Partner zu wechseln.

Von 700 Meter Seehöhe aus wird er der Nationalelf die Daumen drücken, wenn die mit David Alaba und Rubin Okotie auf Schweden trifft. Spieler, die dunklere Haut haben wie die beiden, sind weltweit begehrt. Das war nicht immer so.

Als die Austria auf dem Weg zur Abschiedsgala für Eusébio nach Mosambik in Johannesburg (zwischen) landete, durfte Köglberger weder dieselbe Toilette wie die Kameraden besuchen noch im selben südafrikanischen Flieger weiterreisen, weil im Land am Kap noch die Rassentrennung galt.

Köglberger gelingt längst ein Blick zurück ohne Zorn. Mehr noch: Er weiß demütig zu schätzen, dass er von alten Zeiten erzählen kann, hat er doch sowohl einen Kopftumor als auch einen Herzinfarkt überstanden. Letzteren erlitt er am 27.12. Noch größeres Glück habe er auf dem Ergometer-Rad’l während des TV-Cup-Spiels Ried – St.Pölten gehabt, als das Herz erneut streikte. "Wäre mir das net in der Reha-Klinik, sondern irgendwo anders passiert, ich weiß net ..."

Eine Krabbelstube, in der er sechs Jahre mit seiner grün-politisch engagierten Frau Ein- bis Dreijährige betreute, hat er soeben aufgelassen. Aber sein schonungsbedürftiges Herz schlägt für Kinder heftig wie eh und je. Daher wird er bald wieder nach Nairobi fliegen, wo Sohn Stefan, ein Geschichtsprofessor, das Camp "Hope for Future" leitet. Wo 13 Trainer engagiert sind. Und wo ärmste Knirpse die Chance haben, Kicker, Bäcker oder Studenten zu werden. Die Caritas, das Land Oberösterreich und Kornspitz unterstützen das Sozialprojekt, für das die ÖFB-Präsidenten-Gattin Margarete Windtner als Schirmfrau fungiert. Nur von Red Bull habe er eine herbe Absage erhalten. Dort kennen sie ihn nicht. Aber das ist nicht der Grund, warum ihm das Schicksal der Kinder im Slum Korogocho mehr unter seine feine bronzene Haut geht als Red Bulls Scheitern gegen Malmö.