über Österreichs Problem mit dem Frauenfußball
03/08/2017

Das starke schwache Geschlecht

von Wolfgang Winheim

Die nationale Frauen-Liga lockt meist nur die Verwandtschaft an.

Wolfgang Winheim | über Österreichs Problem mit dem Frauenfußball

Schon 72 Stunden vor dem Weltfrauentag hat Ivona Dadic, wie’s im Macho-Jargon heißt, ihren Mann gestellt: Mit österreichischem Rekord gewann sie in Belgrad EM-Silber im Fünfkampf.

Prominente Vor-Vor-Vorgängerin in der Königinnendisziplin der Leichtathletik war Liese Prokop. Die spätere Innenministerin lief und sprang 1969 Weltrekord im Mehrkampf, der aus fünf Bewerben bestand. Beim großen Nachbarn begannen zu dieser Zeit ostdeutsche Frauen in allen anderen Disziplinen die Konkurrenz zu deklassieren und westdeutsche Herren im Fußball über die Aufhebung eines Verbots zu reden. Allen Ernstes war Frauen das Kicken bis 1970 in der Bundesrepublik untersagt.

Inzwischen wurden deutsche Fußballerinnen nach ihrem Olympiasieg 2016 ähnlich enthusiastisch gefeiert wie zwei Jahre zuvor Philipp Lahm und Co. in Brasilien. Und inzwischen werden auch im Mutterland des Fußballs kickende Töchter forciert. So beschäftigt der englische Verband allein für den Frauenfußball fast doppelt so viele Angestellte (95) wie der ÖFB (56) für sämtliche seiner Abteilungen. Ungeachtet dessen qualifizierten sich Österreichs Damen erstmals für die EM. Sie wird im Juli in den Niederlanden stattfinden.

Die hohen Herren von UEFA und FIFA fördern Frauen-Fußball nicht nur aus Liebe zum (balltechnisch) keineswegs schwachen schwachen Geschlecht, sondern mit Hintergedanken. Kann doch damit spekuliert werden, dass Mädchen, die selbst dem Ball nachliefen, später eher Männer-Spiele besuchen.

Die nationale Frauen-Liga lockt meist nur die Verwandtschaft an. Weshalb die Forderung der Grünen Frauen Wiens, wonach Medien über Frauenfußball genauso viel wie über Rapid und Austria zu berichten haben, verpuffte. Die kritische Frage, weshalb nur am Weltfrauentag über Frauensport berichtet wird, kann unsereinen schon eher in Verlegenheit bringen. Da fällt zumindest dem Autor dieser Zeilen spontan als Gegenargument nur der Hype um Anna Veith ein.

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