über den modernen Ski-Zirkus
10/26/2013

Das öffentliche Privatleben

von Wolfgang Winheim

Heute suchen Stars selbst die Offensive

Wolfgang Winheim | über den modernen Ski-Zirkus

Der Indian Summer, wie der farbenprächtige Herbst in Bode Millers US-Heimat New Hampshire genannt wird, ist auch in Sölden eingezogen. Weltcup-Mitglieder sitzen in 1400 Meter Seehöhe auf den sonnenüberfluteten Hotelterrassen und blinzeln auf das in Gelb und Rot getauchte mächtige Bergpanorama. Zu jenen, auf die diese faszinierende Stimmung bedingt durch die Enge des Tales zuweilen Beklemmung auslöst, zählt – sie werden’s nicht glauben – der beste Skifahrer. Marcel Hirscher. „Mir würden auf die Dauer ...“, gestand er einmal, „... die Berg’ auf den Kopf fallen im schönen Sölden.“ Da bricht in ihm der „halbe Flachländer“ durch.

Seine aus Den Haag stammende Mama bleibt im Gegensatz zu Trainerpapa Ferdinand meist zu Hause im Salzburger Land. Dafür wird Marcels Freundin Laura vor Ort die Daumen drücken.

Bode Miller, 36, brachte zu seinem Renn-Comeback aus den USA gleich seine halbe neue Familie mit. Aber das ist eine komplizierte Geschichte.

Miller, der auch nach einjähriger Absenz in Ötztal und Umgebung noch große Popularität genießt, hat in San Diego eine Tochter aus einer früheren Beziehung. Hat im Vorjahr Beachvolleyballspielerin Morgan geehelicht. Hat ihr kurz danach beim Golfen versehentlich fast ein Auge weggeschossen (und ein Foto davon online gestellt). Hat im Februar erfahren, dass er – aufgrund einer anderen Liaison – Vater eines Buben wurde. Hat sich danach von der leiblichen Mutter via Social Media wüst beschimpfen plus des Alk-konsums bezichtigen lassen müssen und ... danach das Sorgerecht bekommen.

In Sölden kümmert sich Stiefmama Morgan, 22, um das 8 Monate alte Baby.

Vor 20 Jahren, als der Weltcup erstmals in Sölden gastierte, wären Journalisten des Rufmordes beschuldigt worden, hätten sie über solch delikate Privatsachen berichtet, wäre vermutlich auch das Ende der Liaison zwischen Aksel Lund Svindal und Julia Mancuso von der Ski-Presse verschwiegen worden.

Heute suchen Stars selbst die Offensive. Heute nehmen viele via Facebook und Twitter mit einem oft seltsamen Mitteilungsbedürfnis dem Boulevard die Arbeit ab. Sportliche Details über Tricks und Training werden indes eher verschwiegen. Kein Geheimnis ist, dass für Ted Ligety, Alexis Pinturault und Hirscher das Podium im Riesenslalom reserviert ist. Sofern ihnen kein Riesenpatzer passiert.

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