über die EM-Viertelfinali
07/01/2016

Mann, oh Mann

von Wolfgang Winheim

Für die meisten Fußballfans ist ItalienDeutschland das vorweggenommene Endspiel.

Wolfgang Winheim | über die EM-Viertelfinali

Bei allem Respekt gegenüber den anderen Viertelfinalisten: Für die meisten Fußballfans ist ItalienDeutschland das vorweggenommene Endspiel. Und für Journalisten ein Garant, um sich Feinde zu machen.

Wer mit den Deutschen sympathisiert (was dank Ball-Ästheten à la Özil, Götze, Draxler leichter als früher fällt), muss damit rechnen, ins rechte Eck gestellt werden. Wer sich als Deutschland-Kritiker outet, kann sicher sein, von ewig Gestrigen begrobst zu werden.

Das Prädikat "ewig gestrig" gebührt auch jenen, denen die ZDF-Journalistin Claudia Neumann einen Shitstorm in deutschen Online-Landen verdankt. Sie hat nämlich gewagt, als erste Frau im deutschen TV-Sprachraum zwei EM-Spiele 90 Minuten live zu kommentieren. Das kommt aus Macho-Sicht offensichtlich im Land, in dem bis zum Jahr 1970 Damenfußball gesetzlich verboten war, einer Gotteslästerung gleich.

Doch abgesehen davon, ...

... dass deutsche Kickerinnen zu den weltbesten zählen;

... dass sich Frau Neumann am EM-Mikro kein einziges Mal emanzenhaft im Ton vergriff;

... und dass soeben ein zwölfjähriges Wiener Mäderl mit einem strammen Schuss zum 1:0 das österreichische Schüler-Liga-Finale der Buben entschied

... ein Mensch kann beurteilen, ob ein Ei gut oder schlecht ist, auch wenn er selbst keines zu legen imstande ist. Trotzdem können Traditionalisten beruhigt sein:

Claudia Neumann wird bei dieser EM kein Match mehr kommentieren. Dafür lösen inzwischen Gerüchte über angebliche Traumgagen ihrer männlichen TV-Kollegen Misstöne aus.

Weit über eine Million Euro Jahressalär sollen die Ex-Internationalen Mehmet Scholl und Oliver Kahn für ihre wenigen Auftritte als Promi-Analytiker jeweils von ZDF und ARD kassieren. In Anbetracht solcher vom Medienmagazin kress pro kolportierten Zahlen kommen die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem Dementieren kaum nach. Ohne die tatsächlichen Summen zu verraten. Die werden erst vor Gericht bekannt, falls Scholl und Co. ihre Klagedrohungen verwirklichen.

Vorerst kann mit Zahlen aufgewartet werden, die auch nicht allen Altstars und Vergangenheitsglorifizierern gefallen werden. So weist mit Professor Ingo Froböse ein anerkannter Wissenschaftler der Sporthochschule Köln nach, dass zu den aktiven Zeiten eines Günter Netzer (war im Anschluss an seine Spielerkarriere schärfster TV-Kritiker seiner Nachfolger) die Spieler durchschnittlich erst nach einer bis eineinhalb Sekunden nach Ballannahme attackiert wurden. Froess: "Heute geschieht dies schon nach 0,2 bis 0,3 Sekunden."

Womit auch begründet wird, warum es so viele Verletzte mehr als früher gibt.

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