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25.02.2018

Schweigen mit wenig Gold

Ester Ledecka ist mehr als nur die Frau der Spiele - sie ist der Typ, auf den Medienmachos abfahren.

Wolfgang Winheim | über den Star von PyeongChang

Während Donald Trump von Washington aus Nordkorea und der ganzen Welt mit raueren Zeiten droht, hat Tochter Ivanka in Südkorea gute Miene zum bösen Spiel des Vaters gemacht. Und als Augenzeugin beim olympischen Besenbewerb ein versöhnliches Kehraus für die sonst sportlich so enttäuschende Großnation erlebt.

Die USA gewannen Gold im Curling. Aber am besten, bekannte die Präsidententochter, gefalle ihr das Skifahren. Und bei dem hat sich Österreich zur Genugtuung von ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel wie schon 2014 in Sotschi als die erfolgreichste Nation erwiesen.

Während Michael Matt, Marco Schwarz, Manuel Feller, Katharina Gallhuber, Stephanie Brunner und (die vom Rapid-Konditionscoach Toni Beretzki per Computer ferngesteuerte) Katharina Liensberger im Ski-Teambewerb Silber eroberten, saßen Schröcksnadel und Doppelolympiasieger Marcel Hirscher bereits im Flugzeug. Die USA gingen leer aus.

Ihre Schneesportler machten (Mikaela Shiffrin ausgenommen) in Südkorea mehr abseits der Piste von sich reden. Indem Lindsey Vonn verriet, dass sie die Asche ihres im November verstorbenen Großvaters ("Er war Soldat im Korea-Krieg") in der Nähe der Abfahrtsstrecke verstreute. Und indem Bode Miller als NBC-Experte behauptete, Anna Veith habe die Ehe mit einem Snowboarder nicht gutgetan.

Kurz vor Olympia beklagte Miller, dass es der aktuellen Ski-Generation an Typen fehle. Gleiches hatten Altstars freilich schon vor 30 Jahren behauptet, ehe Alberto Tomba das Gegenteil bewies; und vor 20 Jahren, bevor Hermann Maier die Olympia-Welt auf den Kopf stellen sollte, während die Snowboarder, ignoriert vom konservativem Alpinzirkus, erstmals für Olympia zugelassen wurden. Und sich niemand vorstellen konnte, dass eine Snowboarderin je einen Ski-Bewerb gewinnen und als Super-G-Olympiasiegerin vier Tage später allen Snowboard-Spezialistinnen um die Ohren fahren würde.

Ester Ledecka, 22, machte das Unglaubliche möglich. Sie ist mehr als nur DIE Frau der Spiele. Die zweigleisige Pragerin ist genau DER Typ, auf den Medienmachos abfahren. Wäre sie Amerikanerin, hätte sie die USA aus der Olympia-Lethargie reißen können. So aber stürzte der TV-Konzern NBC in ein Quoten-Debakel. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb Donald Trump wenigstens zu den sportlichen Ereignissen in Korea bislang schwieg.