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23.02.2018

Jetzt schlägt's 13

Den meisten Vertretern von " Randsportarten" droht in den nächsten vier Jahren wieder ein Dornröschen-Dasein.

Wolfgang Winheim | über das Olympia-Programm

Nach dem Slalom-Out befragt, was er als Olympia-Heimkehrer machen werde, antwortete Marcel Hirscher: "Wäsche waschen." Die Schlagerfertigkeit hat er selbst nach Niederlagen nie verloren. Und Schmutzwäsche findet die Öffentlichkeit beim Doppel-Olympiasieger schon gar nicht. Auch das macht ihn für die Läusesucher der Medienbranche so unantastbar. Dafür bieten die Skispringer und das alpine Damenteam (Ausnahme Anna Veith und die Slalom-Überraschungs-Dritte Katherina Gallhuber) viel Angriffsfläche. Trotz deren mäßigem Abschneiden schlug’s 13.

Dank der Snowboard-Artistin Anna Gasser, dank den nordischen Kombinierern, dank Slalomspezialist Michael Matt hat Österreich am drittletzten Olympiatag seine Edelmetall-Sammlung auf 13 Medaillen erhöht.

16 von insgesamt 102 Entscheidungen stehen bei den 23. Winterspielen noch aus. Zum Vergleich: Vor genau 50 Jahren in Grenoble waren nur 35 Goldene vergeben worden.

Dass das Programm dermaßen aufgebläht wurde, hat – bei allem Respekt für neue Sportarten – in erster Linie finanzielle Gründe. Mehr Bewerbe bedeuten mehr Werbung, mehr Werbung bedeutet mehr Geld, das vor allem das IOC kassiert.


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Die Hauptdarsteller (= die Sportler) werden mit keinen Prämien belohnt, weil die Herren der Ringe davon ausgehen, dass Olympioniken ihre Erfolg danach ohnehin versilbern können.

Den meisten Vertretern von "Randsportarten" droht in den nächsten vier Jahren wieder ein Dornröschen-Dasein. Anna Gasser wird so eines erspart bleiben. Sie brilliert in einer jungen Disziplin, die nicht von Olympias Gnaden abhängig ist. Die Kärntnerin hatte es schon vor einem Jahr bei den X-Games in Aspen (Colorado) auf die Einserseiten von US-Medien gebracht, während man hierzulande fragte:

X-Games was? Anna Gasser, wer?

Die ältere Journalisten-Generation wird umlernen müssen. Und der Autor gesteht kleinlaut, dass er noch zu Wochenbeginn mit dem Begriff "Cab Double Cork 1080" nichts anzufangen wusste. So heißt der Sprung, mit dem Gasser in den siebenten olympischen Himmel sprang, nachdem sie beim Slopestyle-Bewerb als Favoritin wenige Tage davor noch vom koreanischen Wind verblasen worden war.

Um zu prophezeien, dass Anna G. so wie vor ihr die alpine Anna. V. zur begehrten Herzeigefrau für Sponsoren und Coverstorys werden wird, bedarf es allerdings keines Expertentums. So sympathisch unbekümmert verhält sich die 26-Jährige vor dem Mikrofon. So spektakulär dreht sich die ehemalige Turnerin auf ihrem Brett. So erfreulich erstaunlich ist freilich auch, dass es bei der Olympia-Premiere des Big-Air-Bewerbes keine der mutigen Starterinnen folgenschwer in der Luft zerriss.

Anna Gasser und die ORF-Seher haben es verdient, dass die akrobatische Olympiashow 2018 der X-Games-Siegerin 2017 noch x-mal gezeigt wird.