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11.01.2018

Gegen alle Regeln

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Manche Passagen wie die Fahrt durch den Tunnel unter der Zahnradbahn widersprechen dem FIS-Regelwerk.

Wolfgang Winheim | über Wengen

Ist Petrus gnädig, können sich TV-Skifans morgen auf eine unterhaltsame Lauberhorn-Kombination und am Samstag auf die längste Weltcup-Abfahrt freuen. Sie ist – die Kitzbüheler mögen verzeihen – landschaftlich gesehen zugleich die spektakulärste.

Manche Passagen wie die Fahrt durch den Tunnel unter der Zahnradbahn widersprechen, weil zu schmal, dem FIS-Regelwerk. Andere sind nach Sturzopfern benannt. Wie die Minsch-Kante oder der Canadian Corner, in dem die Kanadier geradeaus fuhren und wo man die Brille des kurzsichtigen Dave Irwin am Bahngleis fand. Oder das Österreicher-Loch, in das ÖSV-Recken einst serienweise plumpsten. An den Todessturz des Tirolers Gernot Reinstadler im Jänner 1991 erinnert indes "nur" eine bronzene Tafel am Zeitnehmungshaus.

Reinstadler war im Netz hängengeblieben und unterm Zieltransparent verblutet. Danach wurden Bäume geschlägert, um die Zielkurve zu verbreitern. Ansonsten hat sich in Wengen seit zig Jahren wenig verändert.

Abgesehen von ein paar Elektrowägelchen, die Hotel-Portieren den Gepäcktransport ermöglichen, ist Autoverkehr nach wie vor verboten; haben Zuschauer nach wie vor einen 20-minütigen Fußmarsch zu absolvieren, um in 1300 Meter Höhe vom Bahnhof ins Zielgelände zu gelangen; wird am Retourweg, unabhängig von den Resultaten, an den Glühweinstadln nach wie vor ausdauernd gebechert, während die Abfahrtsläufer Wengen bereits fluchtartig verlassen.

Zu Franz Klammers Zeiten sind die Tempobolzer noch beim Sonntag-Slalom gestartet. Und manchmal (weil man die Ergebnisse von Spezialabfahrt und Spezialslalom zusammenzählte) sogar Lauberhorn-Kombinationssieger geworden. So wie 1980 Michael Veith. Obwohl der Deutsche von seiner Geburtstagsfeier direkt aus der Karussell-Bar gekommen war und mit seinen 2,05er-Slalomskiern (heute 1,65er) fast die Jungfrau aufgespießt hätte. So heißt eine der beiden Torlauf-Pisten, auf denen Marcel Hirscher erst Sonntag starten wird. Beim morgigen Kombi-Slalom gibt er der Jungfrau noch einen Korb.