Kolumnen
19.03.2018

Baumkraxler

Hirscher hat eine feine Witterung dafür, dass zu viel Hirscher-Mania das Volk auch langweilen kann.

Von den zwei Fragen, die Sportfans hierzulande am meisten beschäftigen, wird in dieser Woche zumindest eine beantwortet werden.

1.) Nimmt David Alaba im Nationalteam seine Bayern-Position als linker Außenverteidiger ein? Oder darf er seine Lieblingsrolle im zentralen Mittelfeld spielen? Oder findet der neue deutsche ÖFB-Teamchef Franco Foda eine "österreichische Lösung", indem er eine Dreier-Abwehrkette forciert und Alaba davor halblinks eine offensivere Position mit Spielgestalter-Option einnehmen lässt?

2.) Wird Marcel Hirscher am Höhepunkt seiner Karriere abtreten und (so wie vor ihm Hermann Maier) seinen Raiffeisen-Sponsorvertrag als Rennpensionist verlängern? Oder spekuliert der Torlauf-Kaiser, zumal erst 29 und körperlich so stark wie nie, sogar noch mit Abfahrtsstarts?

"Wenn man einen Baum raufklettert, ist auch ein Baum irgendwann zu Ende", sagt Hirscher, der auch eine feine Witterung dafür hat, dass zu viel Hirscher-Mania das anspruchsvolle Volk auch langweilen kann.

Selbst ohne Baumkraxler Hirscher hätte es übrigens für Österreich zum 29. Sieg en suite im Nationencup gereicht. Aber der interessiert ohnehin nur, wenn er vom ÖSV verpasst wird, wie das (ehe Peter Schröcksnadel das Präsidentenamt übernahm) vor 30 Jahren der Fall war, worauf die Medien mit den Skifahrern gehörig Schlitten fuhren. Um den Vorwurf zu entkräften, wonach Älpler nur alles durch eine penetrant rot-weiß-rot gefärbte Brille sehen, sei erwähnt, dass der beste ÖSV-Speedpilot (Vincent Kriechmayr) ein halber Belgier und Weltcupsieger Hirscher halber Niederländer ist. Letzterer wurde nur von einer Dame übertroffen:

Im Preisgeld-Ranking der FIS scheint nicht Hirscher (571.998,50 Euro), sondern die US-Gesamtweltcupsiegerin Mikalea Shiffrin auf Platz eins auf. Shiffrin hat 600.265,16 Euro von den Rennveranstaltern kassiert. Dazu kommen Ausrüster- und Sponsor-Prämien.

Trotzdem: Um ähnliche Summen würden Alaba und seine Bayern-Kollegen nicht einmal ihre Fußballschuhe schnüren.