zu den schlechten Trainingsbedingungen österreichischer Sportler
08/12/2013

Hausfriedensbruch

von Wolfgang Winheim

Sportminister Gerald Klug wird die Zuständigen sicher befragen, wenn er das erfährt.

Wolfgang Winheim | zu den schlechten Trainingsbedingungen österreichischer Sportler

Vor genau einem Jahr waren Österreichs beste Sommersportler, begleitet von viel Häme, medaillenlos von Olympia heimgekehrt. Damit Gleiches in drei Jahren nicht wieder passiert, sollen 60 Hoffnungsträger in Hinblick auf Rio 2016 speziell gefördert werden.

Einer dieser 60 wird, nein muss, Leichtathlet Andreas Vojta sein. Der 24-Jährige ist nach dem Out von Diskuswerfer Gerhard Mayer der Einzige, der den ÖLV bei der WM in Moskau noch vertritt. Einziger Österreicher in einem Laufbewerb ist er sowieso.

Morgen, Mittwoch, hat Vojta seine WM-Premiere über 1500 Meter. Damit’s für den Läufer gut rennt bei der WM, sollte er sich eines Entgegenkommens öffentlicher Stellen sicher sein. Irrtum. So verriet Lauf-Nationaltrainer Wilhelm Lilge per Mail, was seinem Schützling vor dem Abflug nach Moskau widerfuhr.

"Wir begingen einen Hausfriedensbruch und drangen unbefugt in die Sportanlage in Stadlau ein, um dort das WM-Abschlusstraining durchzuführen, nachdem die Verwaltung des Happel-Stadions unsere Anfrage nicht einmal ignoriert hatte und Stadlau (= der Präsident des NÖ-Leichtathletikverbandes) zuerst einen formellen Antrag für eine Monatskarte wollte."

Sportminister Gerald Klug, selbst asketischer (Hobby-)Läufer, wird die Zuständigen sicher befragen, wenn er das erfährt. Und es wird ihm sicher versichert werden, dass alles wieder einmal maßlos übertrieben oder gar erfunden sei. Nur sind die Beschwerden (nicht bloß von Schwimmrebell Dinko Jukic) über miese Bedingungen und Schikane in Österreich inzwischen zu zahlreich, um sie immer als Verfolgungswahn egoistischer Athleten abzutun.

Vermutlich ist es egal, wer gerade zuständiger Minister oder zuständiger Stadtrat ist, solang Spitzensport auf der dritten, vierten pragmatisierten Führungsebene keinen Stellenwert hat. Und vermutlich bleibt eine Aussage von Judo-Legende Peter Seisenbacher zeitlos aktuell.

„Bei uns in Österreich bestimmen Platz- und Schulwarte, wann und ob trainiert wird.“, behauptete der Doppel-Olympiasieger vor ... genau 25 Jahren.

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