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15.08.2017

Geschichten aus Korea

29 Jahre danach wird erneut gehofft, dass es bei einem Krieg der Worte bleibt.

Wolfgang Winheim | über Olympia

Nur noch 177 Tage bis zu Olympia mit Hirscher, Kraft und Anna Veith. Sofern die Welt dann keine andere Sorgen hat als Schneeduelle um Meter und Sekunden. Denn die Winterspiele sollen in Südkorea stattfinden – nahe der Grenze zum mit Atomraketen provozierenden Nachbarn.

Sommerspiele hatte Südkorea schon 1988 veranstaltet. Damals durften Foto-Professor Kristian Bissuti und ich mit militärischer Sondergenehmigung und adretter Kleidung (Sportschuhe und T-Shirt waren verboten) den Olympia-Eröffnungstag in Panmunjeom verbringen. Damals galt das Barackencamp am 38. Breitegrad als (politisch) kältester Punkte der Erde. Damals ahnte unsereiner nicht, dass man Konflikte bald auch vor der Haustür (Jugoslawien-Krieg) haben würde. Damals wollte die Heimredaktion lieber Sport- als asiatische Frontberichte. Denn damals wurde mit Ben Johnson der Schnellste der Welt des Dopings überführt und Peter Seisenbacher Judo-Olympiasieger.

Mehr noch in Erinnerung als die Goldfeier des zu dieser Zeit sympathisch bescheidenen Wieners blieb der groteskenreiche Besuch an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Im nur drei Meter vom Stacheldraht entfernten Pool trugen stiernackige GIs Schwimmwesten, obwohl ihnen das Wasser kaum zu den Hüften reichte. Als die Hünen ausgepritschelt hatten, führte uns ihr Vorgesetzter auf einen Hügel, worauf vom Norden her Marschmusik über das Minenfeld hinweg und danach die Aufforderung ertönte: "Kommt zu uns. Nicht wir, sondern die Amerikaner sind eure Feinde."

"Die tägliche Show", knurrte der US-Offizier. "Einfach ignorieren." Das wurde auch in Seoul getan, als die Nordkoreaner drohten, sie würden einen Damm sprengen und damit die ganze Olympiastadt überfluten.

29 Jahre danach wird erneut gehofft, dass es bei einem Krieg der Worte bleibt. Obwohl Donald Trump sich eines Tons bedient, als wären Muhammad Ali, Sonny Liston und Joe Frazier seine Rhetorik-Vorbilder. Bloß waren die großmauligen Boxlegenden nur für ihr eigenes Schicksal verantwortlich.