über Austria-Trainer Nenad Bjelica
08/19/2013

Export-Schlager

von Wolfgang Winheim

Kann er seine schlitzohrigen Landsleute mit deren eigenen Waffen schlagen?

Wolfgang Winheim | über Austria-Trainer Nenad Bjelica

Es war irgendwann im Frühjahr 1986, als der damalige Rapid-Trainer (und spätere kroatische Fußball-Präsident) Vlatko Markovic vor dem Hanappi-Stadion auf seinen zerkratzten Mercedes deutete. Souvenirs von Fans des Stadtrivalen? Markovic schüttelte den Kopf. Nein. Die Austrianer seien doch alle okay. „Das waren sicher Serben. Die haben auf meinem Auto den Aufkleber von Dinamo Zagreb entdeckt. Die hassen uns alle.“

Dann gestand Markovic, welche Sorgen er sich um seine Heimat mache. Zu einem Zeitpunkt, zu dem wir Sportjournalisten keinen Unterschied zwischen Serben, Kroaten, Mazedoniern oder Bosniern machten. Für unsereinen waren sie alle Jugoslawen. Und alle gute Kicker.

Nach den blutigen 90er-Jahren gibt’s sechs Nationalteams im ehemaligen jugoslawischen Raum und noch mehr unter einem tristen Umfeld leidende Ligen. Die Jugendarbeit in Kroatien aber ist immer noch sehr gut. Und Dinamo ist immer noch stark. Stark genug, um gegen die Austria im Kampf um einen Champions-League-Startplatz kein Außenseiter zu sein.

Otto Baric wird als temperamentvoller Jung-Achtziger für Puls 4 das Zagreber TV-Spiel analysieren. Wie Otto Maximale wurden auch viele andere Kroaten, gleichgültig, ob eingebürgert oder nicht, hierzulande ein Begriff. Zizo Kranjcar, Ivica Vastic, Tomislav Kocijan, Zeljko Vukovic usw. usf. Von keinem anderen Land hat Österreich so viel importiert und – im Sport – so viel profitiert. Nur das durch den Bürgerkrieg beklemmend stark ausgeprägte Nationalbewusstsein kostet Kroaten Sympathien. So sind die Bad Blue Boys von Dinamo gefürchtete, radikale „Fans“.

Auch die Ski-Familie Kostelic und der Schwimmer-Clan Jukic haben mit extremem Verhalten zuweilen irritiert. Extrem sind aber auch ihr Ehrgeiz, ihre Professionalität, ihre taktische Schläue, ihre Akribie. Eigenschaften, die auch die Mehrheit der kroatischen Trainer in Ballsportarten auszeichnen. Auch deshalb hat die Austria Nenad Bjelica geholt. Kann er seine schlitzohrigen Landsleute mit deren eigenen Waffen schlagen?

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