über arbeitslose Fußball-Profis
07/20/2013

Den größten Spieler-Kader hat der FC AMS

Warum Profis in Österreich gerade im besten Wettkampfalter zu Ladenhütern werden.

von Wolfgang Winheim

Der Jugendwahn frisst seine Fußball-Kinder

Wolfgang Winheim | über arbeitslose Fußball-Profis

Was haben Jürgen Säumel, Joachim Standfest, Markus Katzer, Andreas Dober oder Thomas Prager gemeinsam? Sie alle haben im Nationalteam gespielt. Sie alle haben keinen Vertrag. Keinen Verein. Keinen Job. So wie etliche weniger bekannte Berufskollegen auch.

Während 300 Fußballer an diesem Wochenende um die ersten Bundesliga-Punkte kämpfen, sind 115 Profis ein Fall für den FC AMS.

Seit Bestehen der Spielergewerkschaft gab es noch nie so viele arbeitslose Profis. Und das obwohl – oder weil – in Österreich so viele Jugendliche mit so viel Aufwand wie noch nie an den Männerfußball herangeführt werden. Auch wenn es einstige Kicker im Gegensatz zum prominentesten Vertreter ihrer Generation (Herbert Prohaska) nicht lesen, geschweige denn glauben wollen: Fast 600 Jugendliche zwischen 14 und 18 trainieren mehr als seinerzeit die Leistungsträger von (international erfolgreicheren) Kampfmannschaften.

Akademien und regionale Leistungszentren machen’s möglich. Nur: Für die Mehrheit ihrer Absolventen reicht es trotz guter Ausbildung bestenfalls für Regional- und Landesligen, weshalb es fast fahrlässig ist, Jugendliche zum Hauptberuf Fußball zu überreden.

Selbst Glückskinder, die es in die höchste Spielklasse schaffen, sollen wissen, was sie später erwartet, bevor sie die Fußball-Welt nicht mehr verstehen.

Wenn sie 18 oder 19 sind, werden sie von Klubs und Managern geködert und verwöhnt – mit dem Hintergedanken, dass man sie als 23-Jährige vielleicht ums X-Fache verkaufen kann.

Wenn sie 20 oder 21 sind, werden sie von uns Reportern für jedes Dutzend-Tor hochgejubelt.

Wenn sie 24 oder 25 sind, wird der gleiche Spielzug, der ein paar Jahre davor noch Entzücken auslöste, als Selbstverständlichkeit interpretiert.

Wenn die „Wunderkinder“ das 27., 28. oder 29. Lebensjahr erreicht haben und sich somit im – sportwissenschaftlich belegbar – besten Wettkampfalter befinden, werden sie oft schon zu Ladenhütern, zumal sie nicht mehr ins Gehaltsschema passen, während sich ihr Wiederverkaufswert reduziert.

Und kaum ist einer über 30, dann muss er – selbst wenn seine Knie noch okay sind – damit rechnen, dass von der Tribüne hämisch heruntergerufen wird: „Oida, wann hörst endlich auf?“

Der Jugendwahn frisst seine Fußball-Kinder. Denen kann nur geraten werden: Hört nicht auf überehrgeizige Eltern und Einflüsterer, sondern studiert oder sucht euch rechtzeitig ein zweites berufliches Standbein.

Sonst wird euer Traumberuf zum Albtraum.

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