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09.03.2013

Austrias vergessener Held kann wieder lachen

Inzwischen ist Feiern nicht mehr sein Bier

Wolfgang Winheim | über Ex-Austria-Held Gerd Steinkogler

Kann der FC Barcelona am Dienstag den Mailänder Abwehrriegel knacken und den 0:2-Rückstand aufholen? Findet Lionel Messi ein Mittel, um sich der permanenten Umzingelung von Milan-Spielern zu entziehen? Oder fliegt Barça erstmals nach sechs Jahren schon im Achtelfinale aus der Champions League? Selbst in diesem Fall würden die Katalanen immer noch als die beste Mannschaft der Welt gelten. Wären sie immer noch in der Lage, 80 Prozent ihrer Gegner schwindlig zu spielen.

Aus heutiger Sicht ist kaum zu glauben, dass die Austria Barcelona aus dem Europacup warf. Das war vor genau 30 Jahren, als die Katalanen auch schon – mit Diego Maradona – den weltbesten Spieler hatten.

Doch zum Unterschied von Diego traf Gerd Steinkoglernicht zwei Mal die Stange, sondern einmal ins Netz. Und so stieg die Austria nach einem 0:0 in Wien dank Steinkoglers Auswärtstor per 1:1 auf. „Nach einem Super-Pass vomFelix Gasse­lichbin ich links davongezogen und habe rechts oben in den Winkel geschossen.“

Die Sensation wurde mit 45.000 Schilling netto (=3300 Euro) honoriert. Eine Belohnung, die sich der Verein leisten konnte, zumal danach Semifinalgegner Real Madrid 50.000 in den Prater lockte.

Auch beim Ausscheiden gegen die Madrilenen schafften die Austrianer Resultate (2:2 bzw. 1:3), die heute wohl jede österreichische Elf als einen Erfolg verkaufen würde, „auf dem man aufbauen kann“. Steinkogler aber will gar nicht erst die Vergangenheit glorifizieren, geschweige über sein Schicksal hadern, obwohl er mehr als Andere allen Grund dazu hätte.

Gezeichnet von krankheitsbedingten Rückschlägen wiegt er nur 69 Kilo. Am 26. 9. 1979, als er beim 3:1 gegen Ungarn als Torschütze brillierte, flitzte Steinkogler noch mit 75 über den Praterrasen. Daraufhin holte ihn Werder. Doch das Bremen-Gastspiel endete nach einem Bänderriss vorzeitig.

Auch das sporthistorische Tor gegen Barça im März 1983 verhalf dem Steirer nicht zur Traumkarriere. Vielmehr wurden er, Ernst Baumeister, Alfred Drabits und Gasselich gleich nach der Landung vom Austria-Boss Joschi Walter zum Rapport zitiert und mit dem Vorwurf konfrontiert, warum sie in der nationalen Liga nicht so kämpfen wie im Europacup.

Steinkogler wechselte später mit wechselndem Erfolg die Vereine, stürmte noch mit 44 in Tschurndorf (Burgenland), wo ihn eine Knieverletzung zum endgültigen Fußball-Stopp zwang.

In so manch ländlichen Sportplatzkantinen („Dort wollen die Leut, dass man mit ihnen nach an Match z’sammsitzt“) war er nicht nur der Altstar, sondern bester Gast. Inzwischen ist Feiern nicht mehr sein Bier. Darf es auch nicht mehr sein.

Vor drei Jahren bekam er eine Spenderniere. Aber Steinkogler ist dem Herrgott dankbar, dass er Dialyse-Patient war. Denn nur deshalb besuchte er das Spital. Und nur deshalb wurde erkannt, dass er am Vortag einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Heute, mit 53, ist der Held von Barcelona, ein bescheidener, autoloser, freundlicher Frührentner. Einer, der sich schon auf das nächste Austria-Heimspiel freut. Und natürlich auf den TV-Schlager Barcelona–Milan.