über das Wiener Haas-Haus
12/04/2015

Perspektivenwechsel

Haas-Haus. Schaas-Haus? Manche finden es fürchterlich, manche wunderschön.

Mag. Leila Al-Serori | über das Wiener Haas-Haus

Vergangene Woche war von einer anderen Perspektive auf die Stadt die Rede, genauer gesagt ging es um eine zweistündige Tour zu den hässlichsten Häusern Wiens. Einige Gebäude waren nicht genannt, sollten es Ihnen zufolge aber sein. Leserin Christiane R. schickte ein Foto von einem braunen Wohnhaus mit roten Fenstern aus Ottakring, Christian V. nannte die St.-Hemma-Kirche in der Fasangartengasse. Die ist tatsächlich ein trostloses Ungetüm, hat Ähnlichkeit mit einem schwarzen Dinosaurier.

Ein vorgeschlagenes Haus aber beschäftigt mich besonders. Vielleicht auch deshalb, weil es so umstritten ist. Manche finden es fürchterlich, manche wunderschön. Die Rede ist vom Haas-Haus in der Wiener Innenstadt, gegenüber vom Stephansdom. Von Hans Hollein entworfen, wurde es 1990 als exklusiver Einkaufstempel eröffnet. Die Presse bezeichnete es damals als "opulent verpackte Enttäuschung". Ich kann mich an seinen Spitznamen in den 90ern erinnern: Schaas-Haus. Oder auch Kaas-Haus. Benannt ist es nach dem Teppichfabrikanten Haas, der hier 1865 ein stuckverziertes Warenhaus bauen ließ. Im 2. Weltkrieg brannte es ab, 1953 wurde der Nachfolgebau eröffnet. Als dieser dem heutigen, dritten Haas-Haus weichen sollte, waren die Proteste laut. Die postmoderne Fassade wurde als auftrumpfend angefeindet, Bürgerinitiativen wollten die Erhaltung des Nachkriegsbaus. Eine typisch wienerische Trotzreaktion. Wer es googelt, weiß, wovon ich spreche. Ein fader Klotz in Grau. Warum das erhalten werden sollte, bleibt mir ein Rätsel.

Heute ist der Hollein-Bau ein bekanntes Wahrzeichen. Gefällt es? Ich schaue die steinerne Fassade hinauf, im Glas spiegeln sich die umstehenden Häuser und der Stephansdom. Hässlichkeit kann ich keine entdecken, viel eher finde ich es speziell, ein Hingucker und Kontrast zur alten Eleganz der Innenstadt. Als ich so hinaufblicke, fällt mir auf, dass ich es noch nie so genau angesehen habe. Was man nicht alles neu entdeckt, wenn man die Perspektive wechselt.

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