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24.07.2017

Zeit, dass sich was dreht

Frauen & Fußball, 2 Wörter, die sich lange nur den 1. Buchstaben teilten, sind zusammen in aller Munde

Anna-Maria Bauer | über Frauenfußball

Juli 2013. Es war einer meiner ersten Termine als KURIER-Redakteurin: ein Lokalaugenschein beim "Frauenfußball-EM-Public-Viewing". Ein Sportereignis, das damals noch unter Ausschluss der größeren Öffentlichkeit stattfand. Dem ORF war es keine Übertragung wert, auf den Sportseiten der heimischen Zeitungen fand es kaum Niederschlag. Es waren dann auch nur eine Handvoll ZuschauerInnen, die sich in dem Wiener Beisl vor dem Screen eingefunden hatten. Fast nur Frauen, die meisten selbst Hobbyfußballerinnen. Sie hatten dann aber so einiges von ihrem Lieblingssport und den damit einhergehenden Problemen zu erzählen. Etwa dass in Österreich noch das Bewusstsein fehlte, dass auch Frauen diesen Sport ausüben könnten. Dass man so oft ätzende Kommentare aushalten musste. Ja, dass es oft schon schwierig war, als Frau gute Schuhe zu finden und man meist in die Kinderabteilung geschickt wurde.

Nun, vier Jahre später, sind Frauen und Fußball – zwei Begriffe, die sich zwar den gleichen Anfangsbuchstaben, kaum aber den gleichen Satz teilten – gemeinsam in aller Munde: Nicht nur, dass die Fußball-EM in den Niederlanden vom ORF übertragen wird und die Spiele Hauptgesprächsthema an der digitalen Bassena Twitter sind. Als ich während des Auftaktmatches den Fernseher aufdrehte, sprach der ORF-Sportmoderator tatsächlich gerade das Wort "Frauschaft" aus. Geil.

Bleibt nur zu hoffen, dass dies kein Aufflackern ist, sondern dass sich das Bild sportlicher Frauen genauso in den Köpfen der Menschen verankert, wie das der Männer. Dass Sätze wie "Du, ganz ehrlich, ich schau die Frauen auch nicht so gern, die sind doch fad " – wie eine Freundin erst vergangene Woche zu mir meinte – nicht mehr ausgesprochen werden. Und dass bei dem Begriff "Fußball-EM" irgendwann einmal nicht mehr klar ist, um welches Geschlecht es sich handelt, weil es gleichermaßen mit Spielern, wie mit Spielerinnen in Zusammenhang gebracht wird. Wird Zeit, dass sich was dreht.