Kolumnen
19.03.2018

"Stadtgeflüster"-Kolumne: Hoch Marlies

Über männliche Hochs und weibliche Tiefs: Nur weil etwas Gewohnheit ist, heißt das nicht, dass es auch richtig ist.

Wussten Sie, dass Tiefdruckgebiete ursprünglich ausschließlich weibliche, und Hochdruckgebiete ausschließlich männliche Vornamen erhielten? 1954 brachte etwa Anka Regen über Spanien, Albert Sonnenschein in der Ukraine. Seit 1998 werden die Namen alternierend vergeben. Vergangenes Jahr waren die Tiefs männlich, heuer sind sie weiblich.

Diese Änderung kam jedoch nicht einfach so. Die deutsche Marlies Krämer hat dies in den 1990ern erkämpfen müssen. Marlies Krämer war es auch, die es durchbrachte, dass in deutschen Pässen nicht nur "Inhaber", sondern "Inhaber bzw. Inhaberin" steht.

Vor Kurzem hat die mittlerweile 80-Jährige einen weiteren Kampf geführt. Sie hat von der Sparkasse Saarbrücken gefordert, dass diese sie in Formularen als "Kundin" anspreche. Der deutsche Bundesgerichtshof hat vergangene Woche jedoch gegen Krämer entschieden.

Das ist schade. Und meiner Meinung nach unverständlich. Denn: Natürlich schreibe ich bei "Kunde" meinen Namen hin, weil ich von Anfang an nichts anderes gelernt habe. Aber nur weil etwas Gewohnheit und Alltag ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch richtig ist. Und das mit dem "Mitgemeint" ist zwar lieb gemeint, aber am Ende des Tages trifft es nicht zu.

Stellen Sie sich zwei Anwälte vor. Sie kommen müde am Ende des Arbeitstages nach Hause. Die große Tochter steht gerade im Vorzimmer, blickt auf und sagt: "Hallo, Mama, hallo Papa."

Kurz irritiert?

Ja, Anwalt ist historisch gesehen in der deutschen Sprache die Grundform. Aber das heißt ja nicht, dass sich das nicht ändern kann. Deshalb mein Vorschlag – auch um die leidige "Wenn ich gendere, wird der Text unleserlich"-Diskussion zu beenden: Wieso finden wir nicht eine neue neutrale Grundform? Zum Beispiel "Anwaltura". Das beinhaltet dann den Anwalt und die Anwältin. Ja, für uns klingt das komisch. Aber in ein paar Jahrzehnten wird sich das richtig anhören, weil es dann Alltag ist.