über Vagina-Monologe.
03/16/2013

Zeit, zu gehen

Wann weiß eine Frau, dass sie mit Mister Sowieso keinen Sex mehr haben sollte? Ganz einfach: Sie sollte mehr auf ihre Vagina hören – also auf das, was das Bauchgefühl angesichts intellektueller Unzulänglichkeiten oder nicht ertragbarer Schrullen sagt.

von Gabriele Kuhn

Kann die Vagina eigentlich etwas sagen?

Gabriele Kuhn | über Vagina-Monologe.

Kann die Vagina eigentlich etwas sagen? Irgendwie schon. Ich denke da sofort an die lieben Freundinnen. Wenn sich die Damen zum Kaffeetratscherl einfinden, könnte man durchaus von einer Mösenjause reden. Zu Latte macchiato und allerlei Zuckerwerk wird hier zumeist heftigst über Ex-Männer und zukünftige Männer gelästert, gejammert, frohlockt und gehofft. Vieles dreht sich um die Lust, um Sex – um Gefühle aus dem „Bauch“. Keine der Frauen geniert sich oder ziert sich – die Stimmen kommen tatsächlich aus dem „Unter-Grund“. Ein häufiges Thema, um das sich die Runde stundenlang drehen kann, heißt so: „Wann weiß eine Frau, dass sie nie mehr wieder Sex mit Mr. Sowieso haben möchte?“ Und da hat die Vagina – hier für das zutiefst weiblich-intuitive Bauchgefühl – doch das eine oder andere Wort mitzureden.

Es gibt sie nämlich diese glasklaren Momente, wo sich folgender Gedanke formt: So schön, so gut – aber was das Vögeln betrifft, war’s das jetzt einmal, Mister. Dabei muss die Nummer mit dem Herrn gar nicht so übel gewesen sein. Man hat getanzt, heut Nacht, die ganze Nacht, heut Nacht. Aber dann. Dann steht man an der Seite des Frischlings auf, um romantisch zu frühstücken. Und was macht der? Der macht sich dran, das Bett neu zu beziehen. Das alleine wär’s noch nicht gewesen, ergänzt wird die umsichtige Handlung durch ein Telefonat mit Misters Mutti: „Ja Mama, ich weiß du hast Waschtag – deshalb bringe ich dir ja das Bettzeug wie versprochen in zwei Stunden vorbei.“ (Anmerkung: Es handelt sich hier um eine wahre Begebenheit. Der Mann war zum Zeitpunkt dieser Tat 38 Jahre, neun Monate und fünf Tage alt.)

Kann also sein, dass die Vagina angesichts solcher Erfahrungen leise Botschaften ins kognitive Zentrum ihrer Besitzerin funkt: „Uhu, Mädchen, so nett es vergangene Nacht auch gewesen sein mag – es ist trotzdem an der Zeit zu gehen. Vor allem aber: nie mehr wiederzukommen! Sag artig baba und erfreue dich deiner Freiheit. Das Schöne daran: Fast immer hat die Vagina recht.

Es sind oft kleine, scheinbar unbedeutende Handlungen oder Tatsachen, die eine Fortführung der Affäre völlig undenkbar machen. Freundin F berichtete etwa von einem an sich smarten und nicht unfeschen Bankmanager, der allerdings privat einen Hang zum Infantilen hatte. Wie sich das äußerte? Jedes Mal, wenn er eine volle Blase hatte, verkündete er, gleich „dringend Pipi“ zu müssen, auch „Piesi“ oder „Ludeln“. Freundin F: „Ich bin echt keine, die sehr heikel ist. Aber, ehrlich: Vom Ludeln-Müssen ist es nicht weit zum Buchstaben-Suppi-Essi. Und auf das hab ich mit meinen 37 jetzt eher keinen Bock.“ Also sprach ihre Vagina: Ziehe von dannen und lasse das liebe Bubi einem anderen lieben Mädi.

Bei L kriegt die Vagina den Blues, wenn nach den ersten paar Mal vögeln das ganze intellektuelle Mittelmaß eines Sexualpartners durchschimmert. Und so ein Prachtexemplar den Tolstoi mit einer russischen Krautsuppe verwechselt, Gotik nicht von Renaissance unterscheiden kann oder den Begriff Hypotenuse als Hüftleiden interpretiert. In solchen Momenten ist es höchste Zeit für einen Vagina-Monolog an Rotwein.

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